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ANYbotics hat am 27. Oktober 2026 den Auslieferungsstart des Inspektionsroboters ANYmal X gemeldet. Als Kunden nennt der Hersteller Equinor und DSM-Firmenich. Damit geht das für explosionsgefährdete Bereiche entwickelte System nach Unternehmensangaben über die bisherige Erprobung hinaus. Eine unabhängige Bestätigung der aktuellen Übergaben durch die genannten Kunden liegt dieser Auswertung nicht zugrunde.

Das Aufmacherbild ist ein eigenes, mit KI erstelltes Symbolbild von Alpha Bionic. Es zeigt einen generischen vierbeinigen Inspektionsroboter, keine maßgetreue Darstellung des ANYmal X und keinen realen Kundeneinsatz.

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Was sich mit dem Auslieferungsstart verändert

ANYbotics berichtet von einem frühen Zugangsprogramm seit 2023 mit Hunderten Missionen bei Industriepartnern. Die neue Meldung betrifft nun Lieferungen. Das ist ein anderer Reifegrad als eine Demonstration, aber noch kein Beleg für produktiven Dauerbetrieb bei jedem Empfänger. Stückzahlen oder unabhängig geprüfte Wirtschaftlichkeitsdaten nennt die Mitteilung nicht.

Der Roboter soll Inspektionen mit visueller, thermischer und akustischer Erfassung übernehmen. Sein Schutzkonzept umfasst unter anderem abgedichtete, mit Stickstoff gefüllte Bereiche für empfindliche Komponenten. Der Hersteller beschreibt außerdem leitfähige Füße, Temperaturüberwachung sowie druckfeste Gehäuse für Antriebe und Batterie. Das zeigt, warum ein gewöhnlicher Roboterhund für solche Umgebungen nicht allein durch zusätzliche Software geeignet wird.

ATEX und IECEx nicht gleichsetzen

Auf der Produktseite nennt ANYbotics eine ATEX-EU-Baumusterprüfung durch Bureau Veritas für die Zonen 1 und 2, Gasgruppe IIB, Temperaturklasse T4 und Gerätekategorie 2G. Die Seite weist zugleich darauf hin, dass für IECEx noch ein Audit der Serienfertigung erforderlich ist. Eine vollständig abgeschlossene IECEx-Zertifizierung sollte daraus deshalb nicht abgeleitet werden.

Für Betreiber ist diese Unterscheidung entscheidend. Die Einstufung ist keine pauschale Zulassung für jeden explosionsgefährdeten Bereich. Zone 0, Staubbereiche und Anwendungen, die Gasgruppe IIC voraussetzen, sind damit nicht automatisch abgedeckt. Maßgeblich bleiben die tatsächlich mitgelieferten Zertifikate, die genaue Gerätekonfiguration und die Betriebsanleitung.

Auch technische Details verdienen einen zweiten Blick: Die Produktseite unterscheidet IP65 für den Roboter und IP67 für die Inspektionsnutzlast. Sie führt das Gasdetektionsmodul als Option auf. Laden und Stickstoffnachfüllen sind außerhalb des Gefahrenbereichs vorgesehen. Wer ein Angebot bewertet, sollte sich deshalb nicht mit einem allgemeinen Begriff wie „Ex-geschützt“ oder einer einzigen Schutzart zufriedengeben.

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Der eigene Prüfmaßstab: eine vollständige Inspektionsrunde

Aus Sicht von Alpha Bionic ist nicht die zurückgelegte Strecke die wichtigste Kennzahl, sondern die Zahl brauchbarer Messungen an den vorgesehenen Anlagenpunkten. Ein Roboter kann eine Route erfolgreich gehen und trotzdem eine Anzeige aus einem ungünstigen Winkel aufnehmen. Beschaffung und Abnahme sollten deshalb die Inspektionsaufgabe bewerten, nicht nur die Fortbewegung.

Gegenüber fest installierten Sensoren bietet ein mobiles System grundsätzlich die Möglichkeit, mehrere Messstellen nacheinander anzufahren. Daraus folgt aber auch eine zeitliche Lücke zwischen den Besuchen. Bei Prozessen, die eine kontinuierliche Überwachung verlangen, ist ein Rundgang nicht ohne Weiteres ein Ersatz für stationäre Sensorik. Die passende Kombination hängt vom konkreten Überwachungsziel ab.

Zur Einordnung der Plattformunterschiede dient unser Vergleich von Spot und ANYmal für die Industrieinspektion. Die aktuelle Nachricht betrifft jedoch ausdrücklich die X-Variante und deren Einsatzgrenzen.

Welche Unterlagen vor einer Einführung fehlen dürfen – und welche nicht

Eine sinnvolle Pilotabnahme sollte dokumentieren, welche Messpunkte zuverlässig erreicht werden, wann Menschen eingreifen müssen und wie eine festgefahrene oder ausgefallene Maschine sicher geborgen wird. Hinzu kommen die laufenden Kosten für Wartung, Sensorkalibrierung, Ladeorganisation und die vorgesehenen Schutzmaßnahmen. Diese Anforderungen sind redaktionell abgeleitete Prüffragen, keine von uns gemessenen Schwächen des Produkts.

Die Herstellerzahl von über 50 Kunden und 120.000 monatlichen Inspektionen bezieht sich auf die breitere ANYmal-Plattform und darf nicht als Betriebsbilanz des gerade ausgelieferten ANYmal X gelesen werden. Für einen Kaufentscheid zählt nun der konkrete Nachweis: Welche zertifizierte Ausführung wird geliefert, welche Aufgabe erledigt sie unter den eigenen Anlagenbedingungen und zu welchen Gesamtkosten?

Quellen

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