Spot vs. ANYmal: Welcher Roboter passt zur Industrieinspektion?

Boston Dynamics Spot und ANYbotics ANYmal auf einer Industrieanlage [Bildinhalt mit KI erstellt]

Eine industrielle Inspektionsrunde soll keine eindrucksvollen Laufbilder produzieren. Sie soll Anlagenzustände zuverlässig erfassen: dieselbe Anzeige, denselben Messpunkt, eine verwertbare Aufnahme und bei Bedarf eine nachvollziehbare Meldung. Genau daran sollte sich ein Vergleich zwischen Boston Dynamics Spot und ANYmal von ANYbotics orientieren.

Spot bietet eine vielseitige Plattform mit unterschiedlichen Erweiterungen; ANYmal wird als integrierte Inspektionslösung angeboten. Welche Lösung besser passt, hängt von Messaufgabe, Umgebung und betrieblicher Einbindung ab. Ein pauschaler Sieger aus Geschwindigkeit, Betriebsdauer und Listenpreis wäre dafür zu grob.

In diesem Beitrag: Datenbasis · Messaufgabe · Umgebung · Autonomie · Pilotvergleich · Kosten

Die Vergleichsbasis: konkrete Ausstattung statt Modellname

Ausgewählte Herstellerangaben; kein identischer Prüfzyklus
Merkmal Boston Dynamics Spot ANYmal
Produktansatz Mobile Plattform mit aufgabenabhängigen Erweiterungen Integrierte Inspektionssuite mit zusätzlichen Optionen
Schutzart laut aktueller Produktseite IP54 IP67
Gewicht 33,8 kg einschließlich Akku laut Produktseite 50 kg; 55,7 kg mit Inspection Payload laut verlinktem Datenblatt
Laufzeitangabe 90 Minuten im Durchschnitt Produktseite nennt 90 Minuten; technische Angaben auch 90–120 Minuten
Zusatzlast 14 kg Nutzlast laut Produktseite Zusätzliche 10 kg Nutzlast laut Produktseite
Bild-, Wärme- und Schallinspektion Vom gewählten Sensorpaket abhängig Als Bestandteile der Inspektionssuite beschrieben
Ergebnisse und Einbindung Unter anderem über Orbit und Schnittstellen Unter anderem über Data Navigator und Integration in Betriebssysteme

Quellen zur Tabelle: Spot-Produktseite, ANYmal-Produktseite und ANYmal-Datenblatt. Das separat abrufbare ANYmal-Datenblatt beschreibt eine bestimmte Konfiguration. Lieferstand und Dokumentrevision sollten bei einem Angebot ausdrücklich bestätigt werden. Auch die verschiedenen Laufzeitformulierungen auf der ANYmal-Seite bleiben sichtbar, statt sie zu einer scheinbar exakten Vergleichszahl zusammenzuziehen.

Gewicht und Nutzlast haben unterschiedliche Bezugsgrößen. Ein Basisgerät mit nachträglich ausgewählter Sensorik ist nicht dasselbe Paket wie ein Roboter mit bereits eingerechneter Inspektionsausstattung. Für die betriebliche Entscheidung zählt das einsatzfertige Gesamtsystem einschließlich Halterungen, Rechnern und Kabeln.

Warum ältere Spot-Daten nicht automatisch falsch sind

Die offizielle SDK-Dokumentation beschreibt ausdrücklich Spot Gamma und führt andere Werte als die aktuelle Produktseite. Ein Vergleich sollte deshalb Modellgeneration und Ausstattung nennen. Aus zwei Quellen unterschiedlicher Generation eine einzige Tabelle zu bauen, kann ein System ergeben, das so nie angeboten wurde. Dokumentation zu Spot Gamma.

Zuerst die Messaufgabe festlegen

Beginnen sollte die Auswahl mit einer Liste von Messpunkten. Für jeden Punkt braucht es ein gewünschtes Ergebnis, eine zulässige Aufnahmeposition und ein Qualitätskriterium. „Ein Foto aufnehmen“ ist ungenau; „die Ziffern dieser Anzeige aus dem zugelassenen Abstand lesbar erfassen“ lässt sich prüfen.

Bei einer Wärmeaufnahme zählen unter anderem Blickwinkel, Abstand und vergleichbare Umgebungsbedingungen. Bei einer akustischen Aufnahme muss klar sein, welche Störung gesucht wird und welche Hintergrundgeräusche vorkommen. Ein Sensorname allein beantwortet diese Anwendungsfragen nicht. Derselbe Roboter kann mit einer anderen Ausstattung einen völlig anderen Nutzen haben.

ANYbotics beschreibt für ANYmal eine kombinierte visuelle, thermische und akustische Inspektionsausstattung. Bei Spot sollte das Angebot genau benennen, welche Module die gewünschte Messung übernehmen. Daraus folgt kein allgemeiner Qualitätsvorsprung: Eine fertig integrierte Lösung kann Aufwand sparen; eine modular zusammengestellte Lösung kann eine spezielle Aufgabe besser treffen. Beides muss am konkreten Messpunkt gezeigt werden.

Die Aufnahme ist erst der Anfang

Ein gutes Bild ohne eindeutige Anlagenzuordnung bleibt schwer nutzbar. Messwert, Zeitstempel, Roboterposition und betroffener Anlagenpunkt müssen zusammengehören. Ebenso wichtig ist, was bei unscharfen, verdeckten oder widersprüchlichen Aufnahmen passiert. Eine automatische Meldung sollte die Unsicherheit sichtbar machen, statt jedes Ergebnis gleich sicher wirken zu lassen.

Für einen Vergleich lohnt sich daher eine kleine, vom Betreiber vorab definierte Beispielsammlung: normale Anzeigen, schwer lesbare Anzeigen und klar erkennbare Abweichungen. Beide Systeme erhalten dieselbe Aufgabe. Erst dann wird sichtbar, ob die gesamte Verarbeitung zum Wartungsprozess passt.

Umgebung und Freigaben können die Auswahl vorentscheiden

Treppen, Durchgänge und Aufstellflächen sollten vermessen werden. Dazu gehören auch Türschwellen, Gitterroste, wechselnde Hindernisse und Stellen ohne Wendemöglichkeit. Eine gut befahrbare Vorführroute kann die schwierigste Stelle einer tatsächlichen Inspektionsrunde vollständig auslassen.

Die unterschiedlichen IP-Angaben sind ein relevanter Hinweis für die Vorauswahl, aber kein Ersatz für eine Einsatzfreigabe. Zu prüfen ist immer die vollständige Ausstattung, einschließlich zusätzlicher Sensoren und Anschlüsse. Aus einem IP-Wert folgt auch keine pauschale Eignung für jede chemische, thermische oder explosionsgefährdete Umgebung.

ANYmal und ANYmal X sind getrennte Varianten

ANYbotics führt ANYmal X als explosionsgeschützte Variante und nennt auf der aktuellen Produktseite ATEX-/IECEx-Zertifizierung bis Zone 1 IIB. Diese Aussage darf nicht auf jedes ANYmal-Modell oder beliebiges Zubehör übertragen werden. Die konkrete Kennzeichnung, Konfiguration und Einsatzumgebung müssen zusammenpassen. Herstellerangaben zu ANYmal X.

Als Anwendungsbeleg beschreibt ANYbotics einen Test von ANYmal X bei BASF in Ludwigshafen aus dem Jahr 2023. Das ist ein datierter Erprobungsfall, kein Beleg für einen beliebig großen heutigen Regelbetrieb. ANYmal-X-Erprobung bei BASF.

Für einen gewöhnlichen Innenbereich kann eine solche Spezialausführung unnötig sein. Für einen Bereich mit besonderen Anforderungen kann sie dagegen die Auswahl grundsätzlich verändern. Es ist sinnvoll, solche Ausschlusskriterien vor einem umfangreichen Preisvergleich zu klären.

Autonomie an einer vollständigen Mission messen

Autonomie besteht aus mehreren Schritten: Route beginnen, Hindernisse behandeln, Messpunkte erreichen, brauchbare Daten aufnehmen und die Mission abschließen. Der schwierigste Teil ist häufig nicht das normale Gehen, sondern der Umgang mit Ausnahmen.

Deshalb sollte ein Pilot Unterbrechungen enthalten, die am Standort tatsächlich vorkommen: einen zeitweise blockierten Gang, veränderte Beleuchtung oder eine zulässige Netzunterbrechung. Entscheidend ist das vorgesehene Verhalten: warten, umplanen, sicher stoppen oder Hilfe anfordern. Eine unspektakuläre, klar dokumentierte Hilfeanforderung kann betrieblich nützlicher sein als ein riskanter Versuch, jede Situation selbst zu lösen.

Zur Bewertung gehört auch die Wiederaufnahme. Muss ein Mitarbeiter zum Roboter laufen, oder lässt sich die Mission kontrolliert fortsetzen? Bleiben bereits erhobene Daten erhalten? Wird ein übersprungener Messpunkt eindeutig markiert? Solche Fragen entscheiden über Betreuungskosten und Vertrauen in die Ergebnisse.

Ein Pilotvergleich, der eine Entscheidung vorbereitet

Redaktioneller Vorschlag für einen vergleichbaren Abnahmetest
Prüfbereich Gemeinsame Aufgabe Zu dokumentierendes Ergebnis
Navigation Dieselbe repräsentative Route mit identischen Zugangsregeln Abschlüsse, Abbrüche und Eingriffe
Messqualität Vorab definierte visuelle, thermische oder akustische Messpunkte Anteil verwertbarer Ergebnisse; Gründe für Ausfälle
Betrieb Geplante Wiederholungen über verschiedene Betriebszeiten Betreuungsminuten und Ladeorganisation
Datenfluss Ergebnis einem Anlagenpunkt und einer Meldung zuordnen Nachvollziehbarkeit und manuelle Nacharbeit
Störung Realistische, abgestimmte Ausnahme einbringen Sicherer Zustand und Aufwand der Wiederaufnahme

Vor dem Test werden Kriterien und Zählweise festgelegt. Sonst ist die Versuchung groß, beim einen System jeden Anlauf zu zählen und beim anderen nur die gelungenen Durchgänge. Beide Anbieter sollten dieselben Randbedingungen und ausreichend Gelegenheit zur vorgesehenen Einrichtung erhalten.

Ergebnisse gehören auf die Ebene der Aufgabe: Wie viele angeforderte Messpunkte wurden richtig erfasst? Eine globale Schulnote verschleiert, ob ein System an wenigen wichtigen Punkten scheitert. Für eine Anlage mit kritischer Einzelmessung kann dieser Unterschied wichtiger sein als der Durchschnitt über viele einfache Punkte.

Kosten auf verwertbare Ergebnisse beziehen

In die Kalkulation gehören das einsatzfertige Gerät, Software, Einrichtung, Schulung, Service und interne Arbeit. Anschließend wird dieselbe Nutzungsdauer angesetzt. Ein günstigeres Erstangebot kann mehr Integration erfordern; ein umfangreicheres Paket kann Leistungen enthalten, die der Standort bereits selbst abdeckt.

Ein brauchbarer Nenner ist beispielsweise die vollständig abgeschlossene, fachlich verwertbare Inspektionsrunde. Aufnahmen ohne ausreichende Qualität zählen nicht als gleichwertige Leistung. Die zugrunde liegende Kostenstruktur erläutert der Spot-Kostenratgeber.

Auch der Rückweg aus dem Projekt sollte geklärt sein: Können Daten exportiert werden, wer pflegt die Anlagenzuordnung und was passiert bei einem Anbieterwechsel? Diese Fragen betreffen die Nutzbarkeit einer Lösung über mehrere Jahre und sollten nicht erst beim Vertragsende auftauchen.

Welche Lösung gehört auf die engere Auswahl?

Spot ist ein sinnvoller Prüfkandidat, wenn unterschiedliche Erweiterungen, eigene Integrationen oder bereits vorhandene Boston-Dynamics-Prozesse wichtig sind. ANYmal ist ein sinnvoller Prüfkandidat, wenn eine integrierte Inspektionsausstattung und deren gesamter Betriebsablauf im Mittelpunkt stehen. Für passende Ex-Anforderungen ist ANYmal X separat zu prüfen. Das sind Auswahlkriterien, keine Aussage über einen gewonnenen Vergleichstest.

Häufige Fragen zu Spot vs. ANYmal

Welcher Roboter ist günstiger?

Ohne aktuelle, vergleichbare Angebote für dieselbe Ausstattung und Laufzeit lässt sich das nicht belastbar beantworten. Ein bloßer Basispreis wäre unvollständig.

Ist ANYmal wegen IP67 immer besser?

Die Schutzart kann für bestimmte Umgebungen entscheidend sein. Sie bewertet jedoch weder Messqualität noch Integration, Betreuung oder Wirtschaftlichkeit.

Ersetzt ein Inspektionsroboter die fachliche Bewertung?

Die Datenerfassung und die Bewertung eines Anlagenzustands sind unterschiedliche Aufgaben. Im Projekt muss klar sein, welche Entscheidungen automatisiert erfolgen und welche Fachverantwortung beim Betreiber bleibt.

Die Grundlagen zu Spot stehen im Produktdossier; konkrete deutsche Beispiele im Einsatzregister.

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Nico Nuss [Bildinhalt mit KI erstellt]

Der Autor Nico Nuss beschäftigt sich seit 2001 mit den Themen Mobile Computing und Automation Software. Auf Grund seiner Erfahrung und dem starken Interesse für Zukunftstechnologien gilt seine Aufmerksamkeit den Themen Robotik und AI.