An der Da Costakade in Amsterdam standen die Roboter vor einer ungewöhnlichen Aufgabe: Sie mauerten an einer neuen Kaimauer, erst an vorbereiteten Betonelementen und später direkt von einem Ponton aus. Für eine Maschine, die Ziegel präzise setzen soll, ist ein schwimmender Arbeitsplatz eine Herausforderung. Der Baukonzern Dura Vermeer bestätigt den Einsatz von Monumentals Technik dort und an zwei weiteren Amsterdamer Kaimauerprojekten. Seine Bilanz fällt positiv aus, nennt aber auch weiteren Entwicklungsbedarf. Das ist ein guter Ausgangspunkt, um den tatsächlichen Stand der Mauerrobotik zu betrachten.
Monumental arbeitet längst auch an Wohngebäuden. Nach eigenen Angaben haben seine Roboter Mauerwerk für mehr als 100 Häuser in den Niederlanden und Großbritannien errichtet. Hinzu kommen eine Schule, ein Gemeindezentrum, ein Hotel und Kaimauern. Dabei ist die Formulierung wichtig: Die Maschinen haben Wände für diese Gebäude gebaut, keine vollständigen Häuser. Fundamente, Dächer, Haustechnik und Innenausbau gehören damit nicht automatisch zu ihrer Leistung.
Bild: KI-generiertes Symbolbild eines technisch plausiblen Mauerroboters auf einer Baustelle. Es zeigt kein konkretes Gerät von Monumental und keine Aufnahme eines realen Einsatzes.
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Ein Maurerroboter mit zwei Helfern
Das System besteht aus mehreren Maschinen, die zusammenarbeiten. Der eigentliche Maurerroboter nimmt mit einem Arm Ziegel auf; ein zweiter Arm trägt Mörtel auf. Zwei kleinere Roboter bringen Ziegel und Mörtel heran. Monumental nennt die drei Typen Pisa, Petra und Panama. Wenn von der Größe der Flotte die Rede ist, zählt das Unternehmen also nicht allein Maschinen, die Steine unmittelbar in eine Wand setzen. Auch die Materialzufuhr gehört zum automatisierten System.
Wie viele Roboter gibt es? Das britische Fachmagazin Construction Management berichtete im Juli 2026 von mehr als 150 Maschinen. Gründer Salar al Khafaji nannte im August ebenfalls mehr als 150 gebaute Roboter, erklärte aber zugleich, dass an einem beliebigen Tag etwa 50 bis 100 auf aktiven Baustellen eingesetzt würden. Monumentals eigene Website verwendet derzeit die gröbere Kennzahl „100+“. Diese Angaben beschreiben unterschiedliche Größen: die gebaute Flotte, den täglichen Einsatz und eine gerundete Unternehmenszahl. Aus ihnen folgt nicht, dass über 150 Roboter gleichzeitig in den Niederlanden und Großbritannien mauern.
In Großbritannien ist der Einsatz noch jünger als im niederländischen Heimatmarkt. Construction Management nannte im Juli zunächst zwei dortige Roboter und das Ziel, die britische Flotte bis Jahresende auf 20 auszubauen. Das Magazin erwähnte Projekte in Dudley und im Osten Londons. Auf seiner britischen Website wirbt Monumental für weitere Aufträge als Mauerwerks-Subunternehmer.
Atrium gleicht den Bauplan mit der Baustelle ab
Hinter den Maschinen steht Monumentals Softwareplattform Atrium. Sie berechnet aus Architekturzeichnungen, wo Ziegel und Fugen liegen sollen, verteilt Aufgaben auf die Roboter und dokumentiert den Baufortschritt. Ein Plan beschreibt jedoch zunächst den Sollzustand. Ein Boden kann leicht schief sein, eine Fensteröffnung anders liegen als erwartet oder eine bereits errichtete Wand von der Zeichnung abweichen.
Deshalb erfasst Monumental die Baustelle vor dem Mauern mit Fotos und erstellt daraus ein dreidimensionales Modell. Atrium gleicht es mit der geplanten Wand ab. Während der Arbeit liefern Kameras und Sensoren weitere Positionsdaten. Die Software kann so entscheiden, welche Abweichungen sie ausgleichen muss und was innerhalb der zulässigen Toleranzen liegt. Die oft genannte Millimetergenauigkeit beschreibt den Anspruch an Ortung und Platzierung. Sie ist keine Garantie, dass jeder fertige Ziegel unter allen Baustellenbedingungen exakt auf seiner theoretischen Koordinate aus dem ursprünglichen Plan liegt.
Wie anspruchsvoll schon ein kleines Detail sein kann, zeigte ein Transformatorhäuschen bei Den Haag. Dort sollten einige Ziegel senkrecht statt waagerecht stehen. Monumentals bisherige Planung, Bilderkennung und Materialzufuhr waren darauf nicht vorbereitet. Nach dem Bericht eines beteiligten Ingenieurs musste das Team sowohl die digitale Planung als auch die mechanische Zuführung anpassen. Die Bildverarbeitung musste anschließend erkennen, wie ein senkrechter Ziegel im Greifer saß, damit er richtig in die Wand gelangte. Ein dekoratives Detail in der Zeichnung wurde damit zu einer Aufgabe für Software, Sensorik und Mechanik zugleich.
Was 300 Ziegel pro Akkuladung aussagen
Laut Construction Management kann ein Roboter typischerweise ungefähr 300 Ziegel an einem Arbeitstag mit einer Akkuladung setzen; üblicherweise wird er über Nacht geladen. Das Magazin berichtet auch von einem einzelnen Spitzentag mit mehr als 1.000 Ziegeln. Beide Zahlen sollte man auseinanderhalten: Die erste beschreibt eine typische Größenordnung, die zweite einen Rekord unter bestimmten Bedingungen. Keine von beiden ist eine Zusage für die Fertigstellung einer beliebigen Fassade.
Auf einer Baustelle zählt mehr als die reine Geschwindigkeit beim Setzen eines Steins. Ziegel und Mörtel müssen bereitstehen, die Maschinen ihren Arbeitsbereich erreichen, und andere Gewerke arbeiten am selben Gebäude. Auch Gerüste, Dämmung, Wandhöhe, Fensteröffnungen und besondere Muster beeinflussen den Ablauf. Monumentals Gründer nennt solche Merkmale ausdrücklich als Faktoren dafür, ob ein Projekt gut zum System passt. Wer nur „Ziegel pro Tag“ vergleicht, lässt einen wesentlichen Teil der Bauleistung aus.
Menschen bleiben an der Arbeit beteiligt. Monumental beschäftigt eigene Bediener, die Geräte aufbauen, Material bereitstellen und Probleme vor Ort lösen. In einer Stellenbeschreibung nennt das Unternehmen das Tragen und Nachfüllen von Ziegeln und Mörtel sowie das Reinigen der Baustelle als regelmäßige körperliche Aufgaben. Al Khafaji sagt zudem, die Roboter arbeiteten fast immer neben Maurern; die genaue Aufteilung hänge vom Projekt ab. Automatisiert wird damit vor allem ein wiederkehrender Teil des Mauerwerks, während Fachleute und Bediener den gesamten Ablauf absichern.
Verkauft wird die fertige Wand
Monumentals Geschäftsmodell ist für Bauunternehmen mindestens so wichtig wie der Roboterarm. Das Start-up verkauft und vermietet die Maschinen nicht. Es tritt als Subunternehmer auf und wird für das vereinbarte Mauerwerk bezahlt. Auftraggeber müssen somit keine eigene Flotte anschaffen, warten oder betreiben. Monumental trägt die Verantwortung dafür, seine Maschinen und Beschäftigten so einzusetzen, dass die beauftragte Wand entsteht. Allgemeingültige Preise für Kunden veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Dieses Modell erlaubt auch eine schrittweise technische Entwicklung. Al Khafaji erzählte in einem Interview, dass die Roboter anfangs keine Ecken mauern konnten und Monumental Menschen für diese Arbeit einsetzte. Inzwischen können die Maschinen nach seinen Angaben auch Ecken und Muster bearbeiten. Bei anderen Bauteilen, etwa einem Sturz über einer Öffnung, muss weiterhin ein Maurer eingreifen. Für den Kunden zählt die spezifizierte fertige Wand; für Monumental zählt, wie zuverlässig und wirtschaftlich sie mit der verfügbaren Mischung aus Robotern und Menschen entsteht.
Zu dem Angebot gehört eine digitale Dokumentation. Atrium protokolliert laut Monumental gesetzte Ziegel sowie Bild- und Qualitätsdaten. Nach Abschluss eines Projekts kann daraus ein Übergabebericht entstehen. Eine solche Aufzeichnung ersetzt keine fachliche oder baurechtliche Abnahme, macht einzelne Arbeitsschritte aber nachvollziehbarer. Gerade bei später schwer zugänglichen Stellen kann das für Bauleitung und Prüfung hilfreich sein.
Was sich belegen lässt und was noch offen ist
Für den Ausbau erhielt Monumental im Juli 2026 eine Finanzierungsrunde über 32 Millionen US-Dollar, angeführt von Khosla Ventures. Nach eigenen Angaben hat das 2021 gegründete Unternehmen insgesamt mehr als 60 Millionen Dollar eingeworben. Das Geld soll unter anderem in weitere Maschinen, Personal und neue Märkte fließen. Eine Finanzierungsrunde belegt Interesse von Investoren. Ob das Verfahren auf breiter Fläche Kosten und Bauzeiten senkt, lässt sich daraus allein nicht ableiten. Öffentlich zugängliche, unabhängig vergleichbare Zahlen zu Preisen, Ausfallzeiten und Kosten je fertiger Wand fehlen weiterhin.
Die Praxisbelege gehen dennoch über einen Laborversuch hinaus: Ein Bauauftraggeber bestätigt mehrere Einsätze an Amsterdamer Kaimauern, Monumental dokumentiert zahlreiche Gebäudeprojekte, und seine Roboter arbeiten auch in Großbritannien. Zugleich hält Dura Vermeer fest, dass die Technik weiter verfeinert werden muss. Der entscheidende Maßstab für die nächsten Jahre sind deshalb fertige Wände: ihre Qualität, verlässliche Termine und die Frage, ob sich das System beim nächsten, anders geplanten Gebäude ebenso sinnvoll einsetzen lässt.
Quellen
- Dura Vermeer: Auswertung der Einsätze an Amsterdamer Kaimauern, 2. Dezember 2025.
- Monumental: Projektübersicht, abgerufen am 7. Oktober 2026.
- Monumental: Funktionsweise von Atrium, abgerufen am 7. Oktober 2026.
- Monumental: Technikbericht zu senkrecht gesetzten Ziegeln, 2026.
- Construction Management: Flotte, Großbritannien und Ziegelzahlen, Juli 2026.
- IO+: Interview mit Salar al Khafaji, 24. August 2026.
- Under the Hard Hat: Interview zu Flotte und Baustelleneinsatz, 26. August 2026.
- Monumental: Mitteilung zur Finanzierungsrunde, Juli 2026.
Autor Nico Nuss beschäftigt sich seit 2001 mit Mobile Computing und Automatisierungssoftware. Seine langjährige Erfahrung und sein ausgeprägtes Interesse an Zukunftstechnologien bilden die Grundlage seiner Arbeit zu Robotik und künstlicher Intelligenz.

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