Lidl Dienstleistung GmbH & Co. KG setzt in seiner Logistik konsequent auf Automatisierung. Mit dem Entladeroboter Stretch von Boston Dynamics erreicht der Handelskonzern einen neuen Meilenstein in der Robotik in der Logistik. Seit Ende 2025 arbeitet das System im Regelbetrieb in Importlagern. Ziel ist es, das körperlich extrem belastende Entladen von Seecontainern zu automatisieren, Prozesse zu stabilisieren und dem Fachkräftemangel aktiv zu begegnen. Der europaweite Rollout gilt als größter Stretch-Einsatz seiner Art und zeigt, wie schnell Robotik in realen Logistikprozessen an Bedeutung gewinnt.
Inhalt
- 1 Das Wichtigste in Kürze
- 2 Warum setzt Lidl auf Entladeroboter von Boston Dynamics?
- 3 Robotik in der Logistik als strategischer Hebel
- 4 Boston Dynamics Stretch im Regelbetrieb bei Lidl
- 5 Erfolgreiche Testphase als Entscheidungsgrundlage
- 6 Autonomie und Technik im Container
- 7 Leistungswerte im Vergleich zu anderen Anwendern
- 8 Einordnung in Lidls Logistikstrategie
- 9 Fazit
Das Wichtigste in Kürze
- Lidl setzt 22 Entladeroboter Stretch bis Mitte 2026 in Europa ein
- Die Systeme entladen Seecontainer vollautomatisch
- Fokus liegt auf Ergonomie, Prozessstabilität und Geschwindigkeit
- Stretch arbeitet autonom mit Kamera- und Vakuumtechnik
- Der Rollout ist der größte bekannte Stretch-Einsatz in Europa
Warum setzt Lidl auf Entladeroboter von Boston Dynamics?
Lidl nutzt den Entladeroboter Stretch, um körperlich belastende Tätigkeiten beim Containerentladen zu reduzieren, Prozesse zu automatisieren und eine gleichbleibend hohe Entladeleistung in Importlagern sicherzustellen.
Robotik in der Logistik als strategischer Hebel
Robotik in der Logistik ist für Lidl kein Experiment, sondern ein fester Bestandteil der langfristigen Strategie. Der Einsatz von Entladerobotern adressiert gleich mehrere Herausforderungen. Dazu zählen steigende Warenmengen, ergonomische Belastungen sowie Personalknappheit. Gerade das manuelle Entladen von Containern gilt als eine der anstrengendsten Tätigkeiten im Lagerbetrieb. Mit Stretch wird dieser Prozess automatisiert und standardisiert. Gleichzeitig schafft Lidl mehr Planbarkeit in der Warenannahme. Die Robotik ergänzt bestehende Förder- und Sortiersysteme sinnvoll.
Boston Dynamics Stretch im Regelbetrieb bei Lidl
Stretch ist ein speziell für das Entladen von Containern entwickelter Roboter. Er arbeitet mobil direkt an der Containeröffnung. Sein Roboterarm greift Kartons mit einem vakuumbasierten Greifkopf. Mehrere Sauger passen sich an unterschiedliche Kartongrößen an. Kameras und Bilderkennung erfassen Lage, Größe und Stapelstruktur. Stretch bewegt sich autonom im Containerumfeld. Laut Boston Dynamics schafft das System mehrere Hundert Kartons pro Stunde. Eine Akkuladung reicht für bis zu 16 Stunden Betrieb, was Schichtmodelle unterstützt.
Erfolgreiche Testphase als Entscheidungsgrundlage
Die Entscheidung für den Rollout fiel nach einer intensiven Pilotphase. Lidl testete Stretch in einem Importlager unter realen Bedingungen. Dabei standen gemischte Kartongrößen, beschädigte Verpackungen und unebene Stapel im Fokus. Genau diese Faktoren machen das Containerentladen in Europa besonders anspruchsvoll. Die Ergebnisse überzeugten laut Lidl auf ganzer Linie. Besonders positiv bewertet wurden die konstante Arbeitsgeschwindigkeit und die deutliche Entlastung der Mitarbeitenden. Stretch konnte auch bei wechselnden Lichtverhältnissen zuverlässig arbeiten.
Autonomie und Technik im Container
Der Container ist technisch eines der schwierigsten Einsatzgebiete für Robotik. Enge Platzverhältnisse, schwankende Beleuchtung und instabile Kartonlagen erschweren die Automatisierung. Stretch kombiniert Tiefenkameras mit 2D-Bildverarbeitung. Ein internes Kartonmodell hilft bei der Erkennung. Der Roboterarm ist auf einer mobilen Basis montiert und fährt entlang der Containerkante. Der Vakuumgreifer reguliert den Druck adaptiv, um beschädigte Kartons nicht weiter zu belasten. Eine lokale Edge-Steuerung verarbeitet Daten in Echtzeit und übergibt Statusinformationen an die Lager-IT.
Leistungswerte im Vergleich zu anderen Anwendern
Auch andere Unternehmen setzen Stretch bereits ein. Dazu zählen die Otto Group und DHL. In diesen Szenarien entlädt Stretch je nach Aufbau zwischen 400 und 700 Pakete pro Stunde. Diese Werte sind nicht eins zu eins übertragbar, da Containerinhalt und Prozesse variieren. Sie zeigen jedoch das grundsätzliche Leistungspotenzial. Für Lidl bedeutet das eine deutlich höhere Planbarkeit im Wareneingang. Gleichzeitig sinkt die Abhängigkeit von manueller Arbeit.
Einordnung in Lidls Logistikstrategie
Der Stretch-Rollout fügt sich nahtlos in Lidls bestehende Automatisierungsstrategie ein. Der Konzern investiert seit Jahren in moderne Intralogistik. Dazu zählen automatisierte Umpalettieranlagen wie Genesys One von Premium Robotics. Hinzu kommen umfangreiche Projekte mit Europa Systems. Stretch adressiert gezielt den Prozess des Containerentladens. Der aktuelle Einsatz beschränkt sich bewusst auf Importlager mit hohem Überseeanteil. Dort ist der ergonomische und wirtschaftliche Nutzen am größten.
Fazit
Mit dem Einsatz von Stretch zeigt Lidl, wie Robotik in der Logistik praktisch umgesetzt wird. Der Entladeroboter entlastet Mitarbeitende, stabilisiert Prozesse und steigert die Effizienz im Wareneingang. Gleichzeitig sammelt Lidl wertvolle Erfahrungen für weitere Automatisierungsschritte. Der europaweite Rollout unterstreicht, dass spezialisierte Roboter längst im Regelbetrieb angekommen sind. Für die Logistikbranche ist das ein deutliches Signal.
Der Autor Nico Nuss beschäftigt sich seit 2001 mit den Themen Mobile Computing und Automation Software. Auf Grund seiner Erfahrung und dem starken Interesse für Zukunftstechnologien gilt seine Aufmerksamkeit den Themen Robotik und AI.
