Humanoide Maschinen stehen bei JD.com und seiner europäischen Handelsplattform Joybuy inzwischen im digitalen Schaufenster. Der Einstieg kostet weniger als 5.000 Euro. Doch zwischen Rabattgutschein und Warenkorb beginnt eine Kaufentscheidung, für die der Elektronikhandel erst noch die richtigen Antworten finden muss.
Das Ungewöhnlichste an diesem Angebot ist vielleicht die Selbstverständlichkeit, mit der es erscheint. Ein humanoider Roboter, 4.899 Euro. Dazu ein Rabatt, eine Farbauswahl und der Hinweis auf Lieferung am nächsten Tag. Man kennt diese Aufmachung von Fernsehern, Kaffeemaschinen und Smartphones. Jetzt steht dort eine Maschine mit Armen und Beinen.
Joybuy, die europäische Handelsplattform von JD.com, verkauft Roboter von Unitree und AGIBOT über dieselbe Oberfläche wie andere Elektronik. Wer genügend Geld und einen geeigneten Lieferort hat, kann bei einigen Modellen bereits eine Bestellung beginnen. Bei anderen muss er warten. Der Unterschied ist erheblich, geht zwischen Aktionspreisen und Lieferhinweisen aber leicht unter.
Für die Robotik ist das ein bemerkenswerter Moment. Eine Technologie, die viele Menschen bislang vor allem aus spektakulären Videos kennen, bekommt einen öffentlich sichtbaren Preis. Man muss nicht mehr ausschließlich auf einer Messe nachfragen oder einen Vertrieb kontaktieren, um überhaupt zu erfahren, was der Einstieg kostet. Zugleich zeigt ein genauer Blick auf die Angebote, wie viel Erklärungsarbeit noch zwischen einer eindrucksvollen Vorführung und einem vernünftigen Kauf liegt.
Den Einstieg bildet im deutschen Joybuy-Angebot der Unitree R1 Air für 4.899 Euro. Der reguläre R1 kostet 5.899 Euro. Beide werden mit kurzfristiger Verfügbarkeit beworben. Für den R1 nennt die erfasste Produktseite sogar den 8. September als Lieferdatum, sofern rechtzeitig bestellt wird. Ob dieses Versprechen für den eigenen Wohnort gilt, zeigt sich allerdings erst nach der Adressauswahl.
Der Unterschied zwischen den beiden Geräten ist mehr als eine Preisstufe. Nach Unitrees Angaben besitzt der Air 20 unabhängig bewegliche Gelenkachsen, der R1 deren 26. Statt einer einzelnen Kamera bekommt der Käufer beim R1 eine Stereokamera. Beide Maschinen sind rund 1,23 Meter groß; mit Akku wiegen sie etwa 27 beziehungsweise 29 Kilogramm. Die angegebene Laufzeit beträgt ungefähr eine Stunde.
Das ist handhabbarer als ein ausgewachsener Industrieroboter, aber durchaus eine Anschaffung, für die man Platz schaffen muss. Schon das Gewicht verändert den Blick auf die vermeintlich beiläufige Bestellung. Einen Roboter dieser Größe stellt man nicht zwischen Couchtisch und Bücherregal auf, ohne über seine Bewegungen und den verfügbaren Raum nachzudenken.
Wesentlich weniger sichtbar als die Mechanik ist die Grenze der Software. Unitree unterstützt eigene Entwicklungen in dieser Baureihe ausdrücklich bei den EDU-Ausführungen. Die günstigen Air- und Standardmodelle sind daher nicht automatisch jene offenen Forschungsplattformen, die sich manche Käufer unter einem KI-Roboter vorstellen. Vorgegebene Bewegungen ausführen und per Sprache reagieren zu können, bedeutet noch nicht, dass man eigene Programme für die Maschine schreiben darf. Diese Trennung geht aus dem offiziellen Modellvergleich von Unitree hervor und gehört zu den wichtigsten Informationen vor einem Kauf.
Auch beim Unitree G1, den Joybuy in Deutschland für 17.999 Euro führt, kommt es auf die Ausführung an. Die angebotene Version ist ausdrücklich ohne SDK und API beschrieben, also ohne die dort angesprochenen Entwicklerwerkzeuge und Programmierschnittstellen. Hinzu kommt eine ganz praktische Einschränkung: Die erfasste deutsche Detailseite meldet fehlenden Bestand. Der G1 hat damit einen Preis und ein digitales Schaufenster, aber gegenwärtig keine bestätigte kurzfristige Liefermöglichkeit.
Die beiden weiteren klar nachweisbaren Modelle stammen von AGIBOT. Für den X2 verlangt Joybuy Deutschland 17.889 Euro, für den X2 Ultra 48.756 Euro. Beide sind als Vorbestellungen gekennzeichnet, mit voraussichtlichem Versand am 1. November. Das ist der angekündigte Zeitpunkt, zu dem die Ware auf die Reise gehen soll. Wann sie beim Käufer eintrifft, ist damit noch nicht gesagt.
Den hohen Aufpreis des Ultra erklärt Joybuy mit einer umfangreicheren technischen Ausstattung und Unterstützung eigener Entwicklungen. Beworben werden unter anderem autonome Navigation und Hindernisvermeidung. Der Händler-Ratgeber nennt dafür zusätzliche Sensorik und einen leistungsfähigen Rechner. Wer fast 49.000 Euro ausgibt, sollte daraus ein konkretes Angebot machen lassen: Welche Komponenten werden geliefert, welche Software ist zugänglich, welche Unterstützung ist enthalten? Gerade bei einer Entwicklungsplattform bestimmen diese Antworten den Wert der Anschaffung.
Die fünf Modelle lassen bereits erkennen, dass sich hier verschiedene Märkte überlagern. Ein Technikbegeisterter möchte vielleicht zunächst erleben, wie sich ein humanoider Roboter bewegt und auf Ansprache reagiert. Eine Hochschule braucht dokumentierte Schnittstellen. Ein Unternehmen erwartet, dass eine bestimmte Aufgabe zuverlässig erledigt wird. Alle drei können auf derselben Produktseite landen und dennoch etwas völlig anderes suchen.
Für einen selbstständig arbeitenden Haushaltshelfer liefern die recherchierten Angebote keinen ausreichenden Nachweis. Die menschliche Gestalt lädt zu Erwartungen ein: Zwei Arme müssten doch aufräumen können, zwei Beine den Weg durch die Wohnung finden. Tatsächlich muss jede solche Fähigkeit entwickelt, erprobt und für die konkrete Ausführung verfügbar sein. Ein Sprachmodell macht aus einem beweglichen Körper noch keinen verlässlichen Helfer im Alltag.
Beim Preisvergleich wird die Sache ebenfalls anspruchsvoller, als die großen Ziffern zunächst vermuten lassen. Joybuy zeigt teilweise mehrere Beträge gleichzeitig. Beim R1 steht neben den 5.899 Euro ein Preis von 5.669 Euro nach Rabatt; mit JoyPlus werden 5.374,05 Euro genannt. Beim G1 erscheinen neben 17.999 Euro auch 17.799 Euro nach Rabatt und 16.899,05 Euro als Mitgliedspreis. Hinzu kommen Punkte und Gutscheine.
Diese Vorteile sollte man nicht einfach zusammenzählen. Entscheidend ist, was beim Abschluss tatsächlich zu bezahlen ist und welche Bedingungen dafür gelten. Ein später nutzbares Guthaben bleibt zunächst ein Guthaben. Es ist kein Geld, das bei dieser Bestellung automatisch weniger vom Konto abgeht.
Auch der Blick in einen anderen Ländershop kann überraschen. In Frankreich wird der AGIBOT X2 mit 25.999 Euro geführt, deutlich über dem recherchierten deutschen Betrag. Daraus ergibt sich noch kein sauberer Preisvergleich. Ausstattung, Aktion und Liefergebiet müssen übereinstimmen. Eine französische Lieferzusage hilft einem Käufer in Deutschland wenig, wenn der Shop seine Adresse nicht bedient.
Immerhin sind die allgemeinen deutschen Versandbedingungen relativ konkret. Joybuy nennt kostenlosen Versand ab 29 Euro Bestellwert. Neben dem eigenen Dienst JoyExpress werden DHL Express sowie DHL 2-MAN und Hermes für Sperrgut aufgeführt. Für die Partnerlogistik gelten üblicherweise zwei bis fünf Werktage. In ausgewählten Städten und für ausgewählte Produkte wirbt JoyExpress mit Zustellung am selben oder nächsten Tag.
Für einen Roboterkäufer zählt deshalb die Angabe am konkreten Artikel. Aus der allgemeinen Versandrichtlinie lässt sich weder ein frei wählbarer Transportdienst noch eine Lieferung mit Aufbau ableiten. Beim R1 wird zwar ein zusätzlicher Service für 99 Euro angeboten, beschrieben als Anleitung zur Fernbedienung. Eine umfassende Einweisung vor Ort ist damit nicht bestätigt. Die Einzelheiten stehen in der deutschen Versandrichtlinie von Joybuy.
Auf dem chinesischen JD.com ist die Auswahl wesentlich größer. Dort finden sich neben Unitree und AGIBOT etwa NOETIX, EngineAI, CASBOT, DroidUp und Astribot. Hinzu kommen Plattformen von Leju, PUDU, ZERITH und weiteren Anbietern sowie kleinere humanoide Bildungsroboter. Die Bandbreite reicht von kompakten Geräten für Programmierung und Vorführungen bis zu großen Forschungs- und Servicemaschinen.
Eine JD-Aktionsseite führt beispielsweise den NOETIX Bumi mit 9.998 Renminbi (rund 1.282 Euro), an anderer Stelle derselben Seite allerdings mit 14.998 Renminbi (rund 1.923 Euro). Der UWORLD U1 Pro von UBTECH, in männlicher Ausführung als menschenähnlicher Begleitroboter angeboten, steht dort bei 169.800 Renminbi (rund 21.771 Euro). Für den EngineAI T800 Pro werden 280.000 Renminbi (rund 35.900 Euro) genannt.
Die chinesische Währung Renminbi wird in Yuan angegeben; ihr internationaler Währungscode lautet CNY. Die Euro-Richtwerte in diesem Beitrag sind auf volle Euro gerundet und beruhen auf dem EZB-Referenzkurs vom 4. September 2026: Ein Euro entspricht 7,7994 Yuan. Wechselkursaufschläge, Bankgebühren, internationaler Versand und mögliche Einfuhrabgaben sind darin nicht enthalten.
Das sind interessante Anhaltspunkte für den chinesischen Markt. Für deutsche Käufer ergeben sie noch keinen Endpreis. Versand nach Deutschland, Lieferfrist und vollständige Kosten bis zur Übergabe ließen sich aus dieser Seite nicht bestätigen. Beim Bumi muss schon vor diesem Schritt geklärt werden, worauf sich die beiden unterschiedlichen Beträge beziehen. Die JD-Aktionsseite ist deshalb ein Einstieg in die Beschaffung, kein fertiges Importangebot.
Zusätzliche Vorsicht verlangt die Struktur des Marktplatzes. In den Ergebnislisten stehen vollständige Roboter neben Mietangeboten, Anzahlungen und Zubehör. Ein niedriger Preis kann einen Veranstaltungseinsatz oder eine Reservierung betreffen. Auch manche Modellbezeichnungen sind erklärungsbedürftig: Ein AGIBOT G1 ist ein anderes Gerät als ein Unitree G1. Wer nur nach Namen und Preis auswählt, kann leicht das falsche Angebot vergleichen.
Ältere Meldungen vergrößern die Verwirrung. Die häufig genannten 99.000 Renminbi (rund 12.693 Euro) für Unitrees G1 und 650.000 Renminbi (rund 83.340 Euro) für den H1 stammen vom JD-Verkaufsstart im Februar 2025. Sie dokumentieren diesen Zeitpunkt, nicht das aktuelle Angebot vom September 2026. Auch diese beiden Euro-Beträge dienen nur der Einordnung zum oben genannten Referenzkurs von September 2026; sie sind keine damaligen Euro-Verkaufspreise. Eine vollständige, belastbare Preisliste aller heute auf JD.com gelisteten humanoiden Roboter lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Seiten nicht erstellen.
Gerade deshalb lohnt sich der Blick auf die Präsentation der Ware. Joybuy macht vieles, was ein Onlineshop gut beherrscht: Produkte sichtbar machen, Varianten anbieten, Preise hervorheben und einen Weg zum Kauf öffnen. Bei einer jungen Technologie müssten die Grenzen der angebotenen Leistung jedoch genauso deutlich werden wie der Rabatt.
Die G1-Seite zeigt, wie weit dieser Anspruch und die tatsächliche Darstellung noch auseinanderliegen können. Dort stehen weitreichende Aussagen zur Handhabung von Gegenständen neben der Einschränkung fehlender Entwicklerschnittstellen. Außerdem finden sich sowohl ein allgemeines Versprechen kostenloser Rücksendung innerhalb von 30 Tagen als auch ein produktspezifischer Text, der Rückgaben ohne Defekt ausschließt. Welche Bedingungen für den konkreten Kauf gelten sollen, bleibt in dieser Darstellung ungeklärt. Bei einer Anschaffung dieser Größenordnung verdient der Käufer eine eindeutige Antwort.
Wer nun tatsächlich bestellen möchte, findet den derzeit am klarsten erkennbaren Einstieg bei R1 Air und R1. Die deutsche R1-Produktseite führt direkt zum Angebot; R1 Air sowie AGIBOT X2 und X2 Ultra sind über die deutsche Roboterübersicht von Joybuy auffindbar. Dort sollte zuerst die Lieferadresse eingegeben und anschließend die genaue Ausführung geprüft werden. Beim G1 empfiehlt sich zunächst ein Blick auf die aktuelle Verfügbarkeit.
Vor dem Bezahlen gehören Modellversion, Lieferumfang, Softwarezugang und Liefertermin in eine nachvollziehbare Bestätigung. Dasselbe gilt für offene Fragen zur Reparatur oder Rückgabe. Wer beruflich mit dem Roboter arbeiten will, sollte außerdem die gewünschte Aufgabe vorführen lassen – möglichst mit der Ausführung, die später geliefert wird.
Der Schritt in den Onlinehandel verändert die Robotik trotzdem. Die Maschinen bekommen Preise, an denen sich Hersteller messen lassen müssen. Sie bekommen Käufer, deren Fragen über die nächste eindrucksvolle Vorführung hinausgehen. Und sie bekommen einen Liefertermin.
Ob daraus ein gutes Produkt wird, entscheidet sich nach dem Auspacken: wenn der Akku geladen ist, der Roboter aufsteht und zum ersten Mal tun soll, wofür sein Besitzer ihn gekauft hat.
Der Autor Nico Nuss beschäftigt sich seit 2001 mit den Themen Mobile Computing und Automation Software. Auf Grund seiner Erfahrung und dem starken Interesse für Zukunftstechnologien gilt seine Aufmerksamkeit den Themen Robotik und AI.
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