RoboNova.i Eva.i im Faktencheck: Warme Haut, große Versprechen, späte Serie

Eva.i als humanoides Robotermodell in einem Robotiklabor in Shenzhen [Bildinhalt mit KI erstellt]

Stand: 5. September 2026

Ein humanoider Roboter mit 37 Grad warmer Oberfläche, der Berührungen registriert, Gespräche erinnert und eine Beziehung zum Nutzer entwickeln soll: Mit Eva.i zielt das junge Shenzhen-Unternehmen RoboNova.i nicht auf Fabrikhallen, sondern auf das intimste Einsatzgebiet der Robotik – den privaten Alltag. Die Idee ist technisch wie gesellschaftlich relevant. Doch zwischen einer eindrucksvollen Produktvision und einem belastbar lieferbaren Seriengerät liegt noch eine große Lücke.

Unsere Recherche zeichnet ein differenziertes Bild: Das Unternehmen und seine Kampagne sind real, eine erste Finanzierung und Bestellungen sind dokumentiert. Viele zentrale Leistungsangaben stammen jedoch ausschließlich vom Hersteller. Der Zeitplan wurde mehrfach nach hinten verschoben, technische Kerndaten fehlen, und bei Datenschutz und App-Sicherheit stehen Selbstaussagen sichtbaren Warnsignalen der Plattformbetreiber gegenüber.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unternehmen: Hinter RoboNova.i steht die international meist als Shenzhen Yizhizai Intelligent Technology bezeichnete Gesellschaft. Gründer und CEO ist Wu Heng, der auch als Mark Wu auftritt.
  • Produkt: Eva.i ist laut Kickstarter etwa 160 Zentimeter groß, 40 Kilogramm schwer und besitzt 23 Gelenke. Sie kann weder frei stehen noch gehen, sondern ist für sitzende und liegende Interaktion gedacht.
  • Sensorik: Beworben werden 21 Berührungszonen, bewegliche Augen und Mundpartie, eine auf ungefähr 37 Grad beheizte Oberfläche sowie eine abnehmbare Kamera in Brille oder Schmuck.
  • Preis und Kampagne: Als internationaler Hardwarepreis wurden 7.999 US-Dollar genannt. Auf Kickstarter kamen 1.262.612 Hongkong-Dollar von 130 Unterstützern zusammen – rund 162 Prozent des Finanzierungsziels.
  • Reifegrad: Nach mehreren Terminverschiebungen sprach ein Unternehmensporträt vom 4. September 2026 erst für Januar 2027 von Bedingungen für die Massenproduktion. Eva.i ist deshalb als Vorserie beziehungsweise Pilotprodukt einzuordnen.

Wer steckt hinter RoboNova.i?

Die operative Gesellschaft sitzt im Technologiebezirk Nanshan in Shenzhen. Eine zweite, nachvollziehbare Struktur ist die Hongkonger Aiyo Technology Limited, die laut amtlichem Register am 25. August 2025 gegründet wurde. Die im Google-Play-Eintrag genannte Adresse verweist auf das Lepu Building in Xili, Nanshan.

Gründer Wu Heng beschreibt einen ungewöhnlichen Weg: Nach Projekten in KI, intelligentem Bau, Bergbau und Robotik habe eine Motorradreise 2024 den Blick auf Fan-Kultur, Sammelfiguren und Ball-Jointed Dolls gelenkt. Daraus entstand die These, dass emotionale Robotik nicht nur über Funktion, sondern über Figur, Stimme und Identität verkauft wird. Ein aktuelles 36Kr-Porträt nennt drei Finanzierungsrunden in sechs Monaten; öffentlich benannt ist bislang der Henan-Lihe-Angel-Innovationsfonds. Eine Investitionsmeldung berichtet außerdem über eine geplante Tochtergesellschaft und Produktionslinie in Zhengzhou, ohne Investitionssumme oder Bewertung offenzulegen.

RoboNova.i positioniert sich inzwischen breiter als der Name Eva.i vermuten lässt. Das Ziel sei eine standardisierte Roboterplattform, auf die unterschiedliche Köpfe, äußere Designs, Stimmen und Persönlichkeiten gesetzt werden können. Damit könnte dieselbe technische Basis für eigene Figuren und gemeinsam mit Rechteinhabern entwickelte IP-Charaktere dienen. Auf der Website erscheinen neben Eva.i weitere Namen, während Teile des Angebots weiterhin mit „Coming soon“ gekennzeichnet sind.

Was Eva.i technisch kann – und was nicht

Die belastbarsten öffentlich zugänglichen Spezifikationen stehen in der offiziellen Kickstarter-FAQ. Die dort genannten 23 Gelenke erlauben Gestik, Kopfbewegungen und Umarmungen. Augenlider, Pupillen und Mund sollen synchron reagieren. 21 FPC-basierte Sensorbereiche an Armen, Hals, Brust, Beinen und Wangen erkennen Berührung. Eine Graphen-Heizung soll die Außenhaut auf annähernd Körpertemperatur bringen.

Entscheidend ist die Einschränkung, die in Werbebildern leicht untergeht: Eva.i kann nicht laufen und nicht frei stehen. Der Roboter muss sitzen, liegen oder angelehnt werden. Damit unterscheidet er sich fundamental von mobilen Allzweck-Humanoiden wie Unitree G1 oder Figure 03. Eva.i ist kein Haushaltsarbeiter, sondern eine verkörperte Gesprächs- und Interaktionsplattform.

Die Kamera soll nicht fest im Kopf sitzen, sondern in einem abnehmbaren Accessoire wie einer Brille. Das ist aus Privatsphäre-Sicht prinzipiell sinnvoll, weil Sichtbarkeit und physische Trennung möglich sind. Ob Mikrofone, Kameraindikatoren und Hardware-Schalter die erwarteten europäischen Sicherheitsstandards erfüllen, lässt sich mangels Dokumentation jedoch nicht beurteilen. Ebenso fehlen öffentlich nachvollziehbare Angaben zu Akku-Laufzeit, Rechenchip, Aktuatorleistung, Geräuschentwicklung, Reparaturkonzept und Zertifizierungen.

KI, Gedächtnis und das Versprechen von Persönlichkeit

EVAIOS soll Sprache, langfristige Erinnerungen, Persönlichkeit und Körperbewegung verbinden. Der Hersteller spricht von einem eigenen Zwei-Milliarden-Parameter-Modell, das mit Diensten wie ChatGPT, Gemini oder – in späteren Aussagen – Claude kombiniert werden könne. Diese Beschreibung bleibt technisch unscharf: Architektur, Trainingsdaten, Benchmark-Ergebnisse und die genaue Aufgabenteilung zwischen lokalem Modell und Cloud sind nicht veröffentlicht.

Grundlegende Sprachfunktionen sollen offline möglich sein. App-Updates und leistungsfähigere Modelle benötigen Internetzugang; bei vollständig offline betriebenem System gebe es keine Synchronisierung des Cloud-Gedächtnisses. Genannt werden 256 Gigabyte lokaler Speicher und ein angeblich unbegrenzter Cloud-Speicher. Erinnerungen sollen über einen entnehmbaren Chip exportierbar sein. Für den Fall einer Geschäftsaufgabe verspricht RoboNova.i eine Weiterführung über eine Drittplattform, der Quellcode bleibt aber geschlossen. Das ist kein gleichwertiger Ersatz für eine belastbare Treuhand- oder Open-Source-Strategie.

Datenschutz: Herstellerangaben und Store-Hinweise passen nicht zusammen

Gerade ein Beziehungsroboter verarbeitet besonders persönliche Daten: Stimme, Video, Gesprächsinhalte, Routinen und emotionale Reaktionen. RoboNova.i wirbt mit lokaler Verschlüsselung, Edge-Verarbeitung und einer Synchronisierung nur notwendiger Informationen. Der Google-Play-Eintrag meldete bei unserer Prüfung jedoch lediglich „50+ Downloads“, mögliche Erfassung persönlicher Informationen und Nachrichten sowie „Daten werden nicht verschlüsselt“. Der dort verlinkte Datenschutzhinweis leitete zudem zum Shop weiter.

Im deutschen App Store ist die App ab 16 Jahren eingestuft. Der Entwickler erklärt dort, mehrere mit der Identität verknüpfte Datentypen zu erfassen. Apple weist außerdem darauf hin, dass der Anbieter für den Europäischen Wirtschaftsraum nicht als Händler identifiziert ist. Diese Angaben beweisen kein Fehlverhalten, sind für ein Gerät mit Kamera, Mikrofon und Langzeitgedächtnis aber klare Due-Diligence-Signale.

Kickstarter-Erfolg – aber ein wandernder Liefertermin

Die Kickstarter-Kampagne lief vom 27. Februar bis 28. April 2026 und erreichte 1.262.612 HK-Dollar bei einem Ziel von 780.000 HK-Dollar. 130 Unterstützer finanzierten unterschiedliche Stufen; daraus dürfen nicht 130 verkaufte Roboter abgeleitet werden. Für wichtige Märkte wurde kostenloser Versand beworben, Einfuhrabgaben und Steuern bleiben jedoch Sache der Käufer.

Der problematischere Teil ist die Abfolge der Termine. Ende 2025 war noch von Serienfertigung im Februar 2026 die Rede. Auf einer Vorstartseite erschien Juni, die Kickstarter-FAQ nannte August. Im Juli wurde Oktober 2026 genannt. Das 36Kr-Porträt vom 4. September beschreibt weiterhin einen Prototyp der vierten Generation, bevor die formale Werkzeugfertigung beginnt, und erwartet Bedingungen für Massenproduktion etwa im Januar 2027. Das Unternehmen nennt 160 erste Bestellungen, rund 400 private Testnutzer und eine japanische Anfrage über 200 Einheiten, konnte letztere nach eigenen Angaben aber kapazitätsbedingt nicht bedienen. Unabhängig verifizierte Auslieferungszahlen fehlen.

Regulierung: Emotionale Bindung wird zum Compliance-Thema

China hat die Regeln für anthropomorphe KI-Dienste deutlich konkretisiert. Die seit 15. Juli 2026 geltende Regelung der Cyberspace Administration of China verlangt unter anderem Schutz persönlicher Daten, klare KI-Kennzeichnung, Warnungen vor übermäßiger Abhängigkeit, Hinweise nach längerer Nutzung und eine einfache Beendigung der Interaktion. Anbieter sollen reale soziale Kontakte nicht ersetzen oder gezielt emotionale Abhängigkeit erzeugen.

Das trifft den Kern von Eva.i. Ein Produkt, das Nähe, Gedächtnis und körperliche Reaktion kombiniert, muss nicht nur zuverlässig funktionieren. Es braucht verständliche Grenzen, transparente Speicher- und Löschregeln, Schutz Minderjähriger, Krisenprotokolle und nachprüfbare Sicherheitsmechanismen. Für Deutschland und die EU kommen Datenschutz-, Verbraucher- und Produktsicherheitsanforderungen hinzu. Öffentlich auffindbare CE-, Funk-, EMV- oder Batteriesicherheitsnachweise für das fertige Serienprodukt haben wir nicht gefunden.

Fazit: Ein relevantes Konzept, noch kein bewiesenes Serienprodukt

RoboNova.i versteht etwas, das viele Robotikfirmen unterschätzen: Menschen kaufen im privaten Umfeld nicht nur Bewegungsachsen und Rechenleistung, sondern eine wahrnehmbare Figur. Die modulare Plattformidee, die warme Oberfläche, Berührungssensorik und ein exportierbares Gedächtnis sind interessante Ansätze. Auch die reale Finanzierung und eine erfolgreiche Crowdfunding-Kampagne sprechen dafür, das Unternehmen ernst zu nehmen.

Ebenso ernst zu nehmen sind die offenen Punkte. „Hyperbionisch“ ist ein Marketingbegriff, keine normierte technische Klasse. Die Mobilität ist stark begrenzt, belastbare unabhängige Tests fehlen, der Produktionsplan ist gerutscht und die Datenschutzkommunikation ist widersprüchlich. Wer Eva.i beobachtet oder bestellt, sollte deshalb nicht fragen, ob die Demo sympathisch wirkt, sondern ob Seriengerät, App, Service und Datenlebenszyklus gemeinsam überprüfbar sind. Stand heute ist Eva.i eine ambitionierte Vorserie mit bemerkenswertem Konzept – aber noch kein unabhängig bestätigtes Massenprodukt.

Quellen und Transparenz

Grundlage dieses Beitrags sind öffentliche Register, offizielle Produkt- und Store-Angaben sowie chinesische Wirtschaftsberichte. Technische Leistungsangaben ohne unabhängige Tests sind als Herstellerangaben gekennzeichnet. RoboNova.i ist nicht mit dem älteren koreanischen Lehrroboter Hitec Robonova-1 verbunden.

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Nico Nuss [Bildinhalt mit KI erstellt]

Der Autor Nico Nuss beschäftigt sich seit 2001 mit den Themen Mobile Computing und Automation Software. Auf Grund seiner Erfahrung und dem starken Interesse für Zukunftstechnologien gilt seine Aufmerksamkeit den Themen Robotik und AI.