Richtech Robotics will auf der IMTS 2026 zeigen, wie ein humanoider Roboter und ein autonomer mobiler Transportroboter gemeinsam arbeiten. Die Idee ist überzeugender als der Traum vom einen Universalroboter – doch eine Messevorführung ist noch kein Beleg für stabilen Fabrikbetrieb.

In Chicago beginnt am 14. September die International Manufacturing Technology Show (IMTS). Richtech Robotics hat für seinen Stand eine integrierte Demonstration angekündigt: Der humanoide Roboter DEX soll Aufgaben der Wahrnehmung und Manipulation übernehmen, während der autonome mobile Roboter Titan 440 schwere Teile, Materialien oder palettierte Lasten transportiert. Eine gemeinsame Softwareplattform soll Status, Routen und Arbeitsfortschritt sichtbar machen und Abläufe zuweisen oder verändern.

Die Nachricht ist nicht, dass zwei Roboter gleichzeitig in einer Halle fahren. Interessant ist die behauptete Arbeitsteilung. In vielen Fabriken liegt die eigentliche Lücke zwischen automatisierten Inseln: Ein Bauteil muss ankommen, richtig ausgerichtet, gegriffen, kontrolliert und an die nächste Station übergeben werden. Mobile Plattformen sind gut im Transport, aber nicht automatisch in der feinfühligen Handhabung. Roboterarme sind präzise, bleiben jedoch häufig an einen festen Ort gebunden. Ein koordiniertes System könnte diese Lücke schließen.

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Warum zwei spezialisierte Roboter plausibler sind

Der aktuelle Humanoiden-Boom wird oft mit der Vorstellung verbunden, ein Roboter werde bald nahezu jede menschliche Tätigkeit übernehmen. In der Produktion ist Spezialisierung jedoch häufig wirtschaftlicher. Ein AMR kann Lasten mit niedrigem Schwerpunkt sicher bewegen, lange Wege zurücklegen und definierte Übergabepunkte anfahren. Ein humanoider Oberkörper oder eine zweibeinige Plattform kann dort nützlich sein, wo Werkzeuge, Regale oder Bedienhöhen für Menschen gebaut wurden.

Die Kombination trennt zwei sehr unterschiedliche Anforderungen: Kraft und Reichweite beim Materialfluss auf der einen, Wahrnehmung und Geschicklichkeit am Arbeitsplatz auf der anderen Seite. Das reduziert den Zwang, einen einzigen Roboter gleichzeitig schwer, schnell, ausdauernd, feinfühlig und universell zu konstruieren. Für Betreiber kann außerdem ein modularer Aufbau attraktiver sein. Wenn sich ein Teilprozess ändert, muss möglicherweise nur die Greifaufgabe neu eingerichtet werden, nicht die gesamte Transportlogik.

Richtech nennt für DEX vier Kameras, darunter Tiefenkameras, sowie LiDAR, RGB-, Tiefen- und Bewegungssensorik. Der Hersteller beziffert die Nutzlast pro Arm mit elf Pfund, also knapp fünf Kilogramm. Für die mobile Variante werden vier Stunden Batterielaufzeit und zwei Stunden Ladezeit angegeben. Diese Werte stammen aus den Produktunterlagen des Unternehmens. Sie beschreiben technische Voraussetzungen, aber keine unabhängig gemessene Leistung im Schichtbetrieb.

Die schwierigste Stelle ist die Übergabe

Auf einem Messestand lässt sich eine Übergabe sorgfältig vorbereiten. In einer realen Fabrik ändern sich dagegen Positionen, Verpackungen, Beleuchtung und Verkehrswege. Menschen stellen Behälter leicht verdreht ab, ein Karton ist beschädigt oder ein Gang wird kurzfristig gesperrt. Damit die Zusammenarbeit belastbar wird, müssen beide Roboter nicht nur ihre eigenen Aufgaben beherrschen. Sie benötigen eine gemeinsame Vorstellung davon, wo sich das Werkstück befindet, welchen Zustand der Auftrag hat und wer im Fehlerfall übernimmt.

Ein zentrales Dashboard kann dabei helfen. Es kann Aufträge verteilen, den Standort eines Transportroboters anzeigen und melden, ob eine Manipulation abgeschlossen ist. Doch eine Oberfläche ist nicht mit Autonomie gleichzusetzen. Entscheidend ist, was passiert, wenn der Titan 440 wenige Zentimeter außerhalb der erwarteten Position hält, DEX ein Teil nicht sicher erkennt oder ein Mensch den Übergabebereich betritt. Gute Orchestrierung muss Fehler erkennen, die Anlage in einen sicheren Zustand bringen und verständlich anzeigen, welche Intervention nötig ist.

Für die Sicherheitsarchitektur sind getrennte Ebenen sinnvoll. Eine KI kann den optimalen nächsten Schritt vorschlagen; Not-Halt, Geschwindigkeitsbegrenzung und Schutzfelder dürfen davon nicht allein abhängen. Auch die Kommunikation zwischen Flottensteuerung, Robotersteuerung und Fabrik-IT muss gegen Ausfälle und unberechtigte Zugriffe abgesichert sein. Je mehr Systeme gekoppelt werden, desto größer wird nicht nur die Leistungsfähigkeit, sondern auch die Zahl möglicher Fehlerpfade.

Was die IMTS-Demo tatsächlich zeigen kann

Eine gelungene Vorführung würde zunächst drei Dinge belegen: Die beiden Maschinen können Daten austauschen, eine vorbereitete Aufgabenkette ausführen und ihren Status in einer gemeinsamen Bedienoberfläche abbilden. Sie könnte außerdem sichtbar machen, wie natürlich eine Materialübergabe wirkt und wie schnell Bediener einen Auftrag ändern können. Das ist für Kunden relevant, weil Integrationsaufwand bei Robotikprojekten oft mehr Zeit kostet als die reine Hardwareinstallation.

Nicht belegt wären damit Verfügbarkeit über mehrere Schichten, konstante Taktzeit, autonome Erholung nach Störungen oder ein wirtschaftlicher Vorteil gegenüber Fördertechnik und klassischen Roboterzellen. Richtechs Geschäftsbericht für das Ende September 2025 abgeschlossene Geschäftsjahr beschreibt die Titan-Linie und nennt Einsätze der mobilen Systeme in Nordamerika, unter anderem in Automobilhandel, Lager und Fertigung. DEX wurde dort als neues Angebot für leichte Industrieaufgaben vorgestellt. Ein regulärer gemeinsamer Produktiveinsatz von DEX und Titan 440 wird in diesen Unterlagen jedoch nicht nachgewiesen.

Diese Unterscheidung ist wichtig. Eine öffentliche Demo kann ein glaubwürdiger technischer Zwischenschritt sein, ohne schon eine serienreife Lösung zu bestätigen. Betreiber sollten deshalb nach Referenzprozessen, Testdauer und menschlichen Eingriffen fragen. Noch aussagekräftiger wären Daten aus einem Pilotbetrieb mit wechselnden Artikeln, veränderten Wegen und realem Schichtpersonal.

Die Kennzahlen hinter dem Spektakel

Ein Roboter-Duo sieht auf Video eindrucksvoll aus. Für eine Investitionsentscheidung zählen nüchternere Werte. Wie viele Übergaben gelingen ohne Korrektur? Wie oft muss ein Mensch eingreifen? Wie lange dauert die Wiederaufnahme nach einem fehlgeschlagenen Griff? Bleibt die Taktzeit stabil, wenn mehrere AMR denselben Bereich anfahren? Und wie wirken sich Ladepausen, Greiferwechsel und Softwareupdates auf die Gesamtverfügbarkeit aus?

Ebenso wichtig ist die Frage nach der Prozessgrenze. Bei schweren Standardbehältern kann ein AMR klare Vorteile haben. Bei sehr variantenreichen Kleinteilen kann die Wahrnehmung zum Engpass werden. Kommen empfindliche Oberflächen, Flüssigkeiten oder flexible Kabel hinzu, steigt die Komplexität der Manipulation deutlich. Ein wirtschaftliches System muss nicht jede Ausnahme lösen. Es muss aber erkennen, wann es außerhalb seines sicheren Kompetenzbereichs arbeitet.

Für Beschäftigte entscheidet die Gestaltung des Arbeitsablaufs, ob die Technik entlastet oder neue Belastung erzeugt. Wenn Roboter repetitive Transporte und unergonomische Hebevorgänge übernehmen, kann die Arbeit sicherer werden. Wenn Menschen jedoch ständig unklare Störungen beheben oder das Tempo einer schlecht abgestimmten Flotte ausgleichen müssen, verschiebt sich die Belastung lediglich. Schulung, verständliche Zustandsanzeigen und klar definierte Verantwortlichkeiten gehören daher zum Systemdesign.

Der Alpha-Bionic-Blick: Integration wird zum Produkt

Das stärkste Signal der Richtech-Ankündigung liegt weniger in DEX oder Titan 440 allein. Es ist der Versuch, die Koordination unterschiedlicher Robotertypen als eigenes Produkt zu behandeln. Der Markt bewegt sich von einzelnen Maschinen zu Robotersystemen, die Aufgaben, Karten, Sicherheitszustände und Leistungsdaten teilen. Wer diese Ebene zuverlässig beherrscht, kann Hardware flexibler austauschen und neue Prozesse schneller einführen.

Gleichzeitig entsteht eine Abhängigkeit von der Steuerungsplattform. Kunden sollten prüfen, ob Schnittstellen dokumentiert sind, Daten exportiert werden können und Fremdroboter eingebunden werden dürfen. Eine elegante Demo verliert an Wert, wenn spätere Erweiterungen nur innerhalb eines geschlossenen Ökosystems möglich sind. Offene Protokolle allein reichen allerdings nicht: Versionierung, Support und klare Verantwortlichkeit bei Störungen sind ebenso entscheidend.

Die IMTS bietet Richtech nun eine gute Bühne, um die Grundidee sichtbar zu machen. Der belastbare Fortschritt beginnt danach. Wenn DEX und Titan 440 in einem Kundenprozess über Wochen wechselnde Aufträge, Menschen im Arbeitsbereich und unvermeidliche Abweichungen bewältigen, wäre das mehr als eine Messegeschichte. Bis dahin ist die Demonstration ein plausibles Versprechen – und ein präziser Test dafür, ob heterogene Roboterteams aus der Präsentation in den Alltag kommen.

Quellen

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