HMND 01 Alpha: Roboter-Revolution bei Siemens

Roboter Revolution bei Siemens
Was gestern noch nach Science-Fiction klang, ist heute Realität in Erlangen: Ein teilhumanoider Roboter arbeitet acht Stunden am Stück selbstständig in einem Siemens-Werk. Der HMND 01 Alpha von Humanoid transportiert Kisten, navigiert autonom durch die Halle und arbeitet Hand in Hand mit menschlichen Kollegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein teilhumanoider Roboter (HMND 01 Alpha) arbeitet autonom im Siemens-Gerätewerk Erlangen neben menschlichen Mitarbeitern
  • Er bewegt rund 60 Transportbehälter pro Stunde über acht Stunden hinweg ohne Unterbrechung
  • Über 90 Prozent seiner Greif- und Ablegeversuche gelingen auf Anhieb
  • Der Roboter nutzt Nvidias „Physical AI Stack“ (Jetson Thor, Isaac Sim, Isaac Lab)
  • Entwicklungszeit reduzierte sich durch KI-Training von 18–24 Monaten auf nur sieben Monate
Wie funktioniert der humanoide Roboter HMND 01 Alpha? Der Roboter nutzt 360-Grad-Kameras und Tiefensensoren, um seine Umgebung wahrzunehmen. Er verfügt über 29 bewegliche Gelenke und einen fahrbaren Unterbau. Durch Reinforcement Learning lernte er autonom, Kisten zu greifen, zu transportieren und abzulegen.

Vom Zaun zur Fabrikhalle: Roboter ohne Grenzen

Klassische Industrieroboter arbeiten hinter Schutzzäunen, abgeschirmt von Menschen. Sie führen stur vorprogrammierte Bewegungen aus. Der HMND 01 Alpha bricht mit dieser Tradition. Er steht mitten in der Fabrikhalle, navigiert zwischen AGVs und Menschen hindurch und passt sich flexibel an die Situation an. Das ist ein Paradigmenwechsel. Denn herkömmliche Roboter müssen für jede neue Aufgabe umprogrammiert werden. Der HMND 01 dagegen ist mobil, adaptiv und selbstlernend. Er erkennt Hindernisse, plant Routen neu und reagiert auf Veränderungen in Echtzeit.
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Die Technik im Detail: Ein Blick unter die Haube

Der HMND 01 Alpha ist kein typischer humanoider Roboter mit Beinen. Stattdessen sitzt ein menschenähnlicher Oberkörper mit zwei Armen auf einer fahrbaren Plattform, die sich omnidirektional bewegen kann. Die Arme reichen vom Boden bis in zwei Meter Höhe. Mit 29 beweglichen Gelenken ist er erstaunlich beweglich. Seine 360-Grad-Kameras und Tiefensensoren erfassen die Umgebung kontinuierlich. Er „sieht“ nicht nur, sondern schätzt Entfernungen und erkennt Objekte.

Nvidia Physical AI: Das Gehirn des Roboters

Die Entwickler setzen auf Nvidias kompletten Physical AI Stack. Das Herzstück ist der Jetson Thor Chip, der direkt im Roboter sitzt und Berechnungen am Gerät selbst durchführt (Edge Computing). Isaac Sim ist eine Simulationssoftware, in der ein digitaler Zwilling erstellt wird. Isaac Lab nutzt Reinforcement Learning: Der Roboter probiert Millionen von Bewegungsabläufen durch und lernt durch Feedback. Das Ergebnis ist beeindruckend: Die Entwicklungszeit verkürzte sich von üblichen 18 bis 24 Monaten auf nur sieben Monate.

Siemens Xcelerator: Die Verbindung zur Fabrik

Damit der Roboter nicht isoliert arbeitet, wurde er in die Siemens-Fabrikinfrastruktur eingebunden. Über das Software-Paket Xcelerator kommuniziert der HMND 01 in Echtzeit mit Maschinen, Transportfahrzeugen und Steuerungssystemen. Er folgt nicht einem starren Programm, sondern passt sein Verhalten laufend an die aktuelle Lage an. Er verhält sich ähnlich wie ein menschlicher Mitarbeiter: Er merkt, wenn gerade viel los ist, und reagiert entsprechend.

Training in der virtuellen Welt

Bevor der echte Roboter eine einzige Kiste bewegte, durchlief er tausende Trainingseinheiten in der Simulation. In Isaac Sim wurde jedes Gelenk virtuell erprobt. Isaac Lab ermöglichte parallele Trainingsdurchläufe auf Grafikkarten – so lernte der Roboter in Tagen mehr, als in der echten Welt Jahre gedauert hätte.
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Ein Start-up mit Vision: Humanoid

Hinter dem HMND 01 Alpha steht Humanoid, ein britisches Unternehmen, das erst 2024 gegründet wurde. Trotzdem beschäftigt das Unternehmen bereits rund 160 Mitarbeiter an Standorten in London, Boston und Vancouver.

Fazit

Der HMND 01 Alpha im Siemens-Werk Erlangen ist mehr als ein beeindruckendes Technikdemonstration. Acht Stunden autonome Arbeit, 60 Kisten pro Stunde, 90 Prozent Erfolgsquote – diese Zahlen überzeugen. Die Technologie arbeitet mit Menschen, nicht gegen sie. Die Zukunft der Fabrik wird nicht von Robotern ohne Menschen geprägt sein, sondern von Robotern mit Menschen. Der HMND 01 Alpha ist der erste Schritt in diese Richtung.
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