Roboter Hersteller erobern die Einkaufszentren [Bildinhalt mit KI erstellt]
Roboter Hersteller erobern die Einkaufszentren

Roboter Hersteller erobern die Einkaufszentren

Humanoide Roboter verlassen die kontrollierte Laborumgebung und ziehen in chinesische Einkaufszentren ein. Hersteller wie Unitree Robotics und AgiBot eröffnen eigene Verkaufsflächen in stark frequentierten Geschäftsvierteln. Dort können Besucher die Maschinen nicht nur ansehen, sondern direkt testen, vergleichen und kaufen. Damit verschiebt sich der Wettbewerb deutlich. Laufgeschwindigkeit und Beweglichkeit bleiben wichtig, reichen als Verkaufsargument jedoch nicht mehr aus. Nun entscheiden Vertrauen, Benutzerfreundlichkeit, Preis, Beratung und Kundendienst. Die neuen Robotikgeschäfte sollen zeigen, ob aus spektakulären Vorführmodellen tatsächlich alltagstaugliche Konsumprodukte werden können.

Das Wichtigste in Kürze

  • Unitree Robotics, AgiBot und weitere Robotikunternehmen eröffnen stationäre Geschäfte in chinesischen Einkaufszentren.
  • Die Verkaufsflächen verbinden Produkterlebnis, Beratung, Kauf, Wartung und Kundendienst.
  • Unitree betreibt unter anderem Direktgeschäfte in Peking und Shanghai, während AgiBot seinen ersten weltweiten Store in einem JD MALL eröffnete.
  • Der Markt wird weiterhin überwiegend von Geschäftskunden, Forschungseinrichtungen und Bildungsträgern getragen.
  • Entscheidend wird sein, ob aus neugierigen Besuchern dauerhaft zahlende Käufer und Servicekunden werden.

Warum eröffnen Unitree und AgiBot eigene Geschäfte für humanoide Roboter?
Unitree und AgiBot eröffnen stationäre Robotikgeschäfte, damit Kunden humanoide Roboter unmittelbar erleben, testen und kaufen können. Gleichzeitig prüfen die Hersteller, welche Funktionen, Preise, Finanzierungsmodelle und Serviceleistungen im Massenmarkt funktionieren.

Unitree und AgiBot bringen humanoide Roboter in die Einkaufsstraße

Der Wettbewerb bei humanoiden Robotern findet nicht mehr nur in Laboren und auf Fachmessen statt. Unitree Robotics und AgiBot bringen ihre Systeme inzwischen direkt in stark besuchte Einkaufszentren. Unitree eröffnete eigene Verkaufsstellen im Wangfujing Yinxin in Peking sowie an der Nanjing Road im Jiuguang-Komplex in Shanghai. Beide Standorte liegen in bekannten und stark frequentierten Einkaufsvierteln. AgiBot eröffnete seinen weltweit ersten Store in einem JD MALL im Shanghaier Stadtbezirk Minhang. Damit treffen hoch entwickelte Robotersysteme auf ein breites Publikum, das zuvor kaum direkten Zugang zu solchen Maschinen hatte. Besucher können Bewegungen, Reaktionsfähigkeit und Bedienung aus nächster Nähe beurteilen.

Auch andere Anbieter folgen dieser Entwicklung. Vbot ist bereits im Changning Raffles City in Shanghai und im Solana-Komplex in Peking vertreten. Das Unternehmen Qiyuan World bereitet Standorte in Shenzhen und Shanghai vor. Taozhu New Maker betreibt bereits fünf Geschäfte in Peking. Zudem eröffnete im Wuhan Optics Valley der nach Angaben des Ausgangsberichts erste humanoide 7S-Roboterstore des Landes. Der Handel mit Robotern entwickelt sich daher nicht als einzelnes Experiment. Vielmehr entsteht ein wachsendes Netz aus Markenstores, Sammelgeschäften und spezialisierten Servicezentren.

Unternehmen oder Konzept Genannte Standorte Handelsmodell
Unitree Robotics Peking Wangfujing Yinxin, Shanghai Nanjing Road Jiuguang Eigene Markengeschäfte
AgiBot JD MALL, Shanghai Minhang Erster globaler Markenstore
Vbot Shanghai Changning Raffles City, Beijing Solana Präsenz in Einkaufszentren
Qiyuan World Shenzhen und Shanghai geplant Geplante Filialen
Taozhu New Maker Fünf Standorte in Peking Markenübergreifender Robotikhandel
Wuhan Optics Valley Wuhan Humanoider 7S-Roboterstore

Warum sich der Wettbewerb vom Labor in den Einzelhandel verlagert

In den vergangenen Jahren wurden humanoide Roboter vor allem anhand technischer Leistungen bewertet. Hersteller zeigten, wie schnell ein Modell laufen, springen oder Hindernisse überwinden kann. Solche Vorführungen waren wichtig, weil die grundlegende Bewegung lange als größte technische Hürde galt. Inzwischen beherrschen mehrere führende Anbieter das Gehen, Laufen und grundlegende Bewegungsabläufe. Diese Fähigkeiten werden deshalb zunehmend zur Mindestvoraussetzung. Sie reichen jedoch nicht mehr aus, um sich deutlich von der Konkurrenz abzuheben. Der Wettbewerb verschiebt sich folglich von technischen Demonstrationen zur tatsächlichen Kundenerfahrung.

Verbraucher achten auf andere Punkte als Ingenieure oder Forschungseinrichtungen. Sie möchten wissen, ob ein Roboter zuverlässig reagiert und leicht zu bedienen ist. Zudem wollen sie erkennen, welchen konkreten Nutzen das Gerät im Alltag bietet. Ein beeindruckendes Video kann diese Fragen nur teilweise beantworten. Auch Datenblätter vermitteln weder die tatsächliche Stabilität noch die Qualität einer Interaktion. Im Geschäft können Kunden dagegen sehen, wie schnell ein Roboter auf Sprache, Gesten oder unerwartete Situationen reagiert. Sie können außerdem beurteilen, ob Bewegungen sicher, flüssig und vertrauenerweckend wirken.

Damit wird die physische Verkaufsfläche zu einem neuen Wettbewerbsinstrument. Hersteller verkaufen dort nicht nur Hardware. Sie verkaufen Sicherheit, Verständlichkeit und Vertrauen in eine bislang ungewohnte Produktkategorie. Für viele Kunden dürfte der Kauf eines humanoiden Roboters ähnlich erklärungsbedürftig sein wie der frühe Kauf eines Elektroautos. Deshalb wird die Qualität der Beratung zunehmend wichtig. Ein technisch überlegenes Produkt kann im Handel dennoch scheitern, wenn Vorführung, Bedienung oder Service nicht überzeugen.

Die neuen Stores bilden den gesamten Handelskreislauf ab

Die neuen Robotikgeschäfte erfüllen mehrere Aufgaben gleichzeitig. Zunächst dienen sie als sichtbare Kundengewinnungskanäle in stark besuchten Einkaufsgebieten. Menschen begegnen den Maschinen dort ohne vorherige Fachkenntnisse. Dadurch können die Hersteller neue Zielgruppen erreichen. Gleichzeitig fungieren die Geschäfte als Testlabore für Geschäftsmodelle. Die Anbieter sehen unmittelbar, welche Produkte Interesse wecken und welche Vorführungen zu konkreten Anfragen führen. Außerdem entsteht ein vollständiger Handelskreislauf vom ersten Kontakt bis zum Kundendienst.

Der Ablauf beginnt meist mit einer praktischen Vorführung. Anschließend können Interessenten Fragen zu Einsatzmöglichkeiten, technischen Grenzen und Sicherheitsfunktionen stellen. Danach folgen Produktvergleich, Beratung und Preisverhandlung. Bei einem Kauf müssen zudem Lieferung, Einrichtung und Einweisung organisiert werden. Später werden Wartung, Ersatzteile und Softwareaktualisierungen wichtig. Gerade diese nachgelagerten Leistungen entscheiden darüber, ob Kunden mit dem Produkt dauerhaft zufrieden bleiben. Deshalb ist ein Robotikgeschäft eher mit einem Autohaus als mit einem gewöhnlichen Elektronikladen vergleichbar.

Die stationären Geschäfte liefern den Herstellern zudem wertvolle Nutzerdaten. Sie erfahren, welche Fragen immer wieder gestellt werden. Außerdem erkennen sie, welche Bewegungen bei Besuchern Vertrauen oder Unsicherheit auslösen. Solche Erkenntnisse können in die Produktentwicklung einfließen. Auch die Gestaltung von Benutzeroberflächen lässt sich dadurch verbessern. Der Store wird somit zur Schnittstelle zwischen Entwicklung, Vertrieb und Kundendienst.

Funktion des Stores Bedeutung für Hersteller und Kunden
Produkterlebnis Kunden können Stabilität, Bedienung und Interaktion direkt prüfen
Kundengewinnung Laufkundschaft wird auf die neue Produktkategorie aufmerksam
Marktanalyse Hersteller erkennen gefragte Funktionen und akzeptierte Preise
Verkauf Beratung, Bestellung und Finanzierung erfolgen an einem Ort
Auslieferung Transport, Installation und Einweisung können koordiniert werden
Kundendienst Wartung, Reparaturen und Softwarepflege werden organisiert
Produktentwicklung Rückmeldungen aus dem Handel fließen in neue Modelle ein

Erste Umsätze zeigen Potenzial, doch Geschäftskunden dominieren

Die Wirtschaftlichkeit des stationären Roboterhandels befindet sich noch in einer frühen Phase. Dennoch gibt es erste Hinweise auf ein funktionierendes Geschäftsmodell. Unitree-Marketingchef Wang Qixin bestätigte laut Ausgangsbericht, dass der Store in Wangfujing bereits profitabel arbeitet. Das ist bemerkenswert, weil hochwertige Verkaufsflächen in zentralen Einkaufsvierteln hohe Kosten verursachen. Der humanoide 7S-Store in Wuhan erzielte innerhalb von zwei Monaten einen kumulierten Umsatz von 615.000 Yuan. Diese Zahlen zeigen, dass konkrete Zahlungsbereitschaft vorhanden ist. Sie beweisen jedoch noch nicht, dass bereits ein breiter Verbrauchermarkt entstanden ist.

Der Großteil der Einnahmen stammt weiterhin aus dem Geschäft mit Organisationen. Bei Unitree entfielen 2025 dem Bericht zufolge 73,6 Prozent der Einnahmen mit humanoiden Robotern auf Forschung und Bildung. Universitäten, Labore und Ausbildungseinrichtungen bleiben damit wichtige Käufer. Solche Kunden nutzen Roboter unter anderem für Forschung, Programmierung, Lehre und Demonstrationen. Auch Unternehmen kaufen Systeme für Tests, Veranstaltungen oder automatisierte Aufgaben. Private Haushalte spielen bisher eine deutlich kleinere Rolle. Der stationäre Handel soll nun zeigen, ob sich diese Verteilung langfristig verändern kann.

Kennzahl Genannter Wert
Anteil Forschung und Bildung am humanoiden Unitree-Umsatz 2025 73,6 Prozent
Umsatz des Wuhan-7S-Stores in zwei Monaten 615.000 Yuan
Günstige vierbeinige Unitree-Roboter ab etwa 8.000 Yuan
Hochpreisige humanoide Modelle bis etwa 170.000 Yuan
Unitree-Ausbauziel 50 Geschäfte innerhalb eines Jahres
Vbot-Ausbauziel Präsenz in mehr als zehn Städten
Taozhu-Ausbauziel 20 Standorte landesweit

Die entscheidende Kennzahl ist daher nicht allein der Ladenumsatz. Wichtig ist auch, wie viele Besucher später ein Gerät bestellen. Ebenso relevant sind Mietverträge, Finanzierungen und wiederkehrende Serviceerlöse. Ein einzelner Verkauf kann hohe Einnahmen bringen. Dauerhaft tragfähig wird das Modell jedoch erst durch Wartung, Zubehör, Software und Schulungen. Der eigentliche Marktwert eines Stores zeigt sich deshalb oft erst Monate nach dem ersten Kundenkontakt.

Direktgeschäft und 7S-Sammelstore verfolgen unterschiedliche Strategien

Im chinesischen Robotikhandel entstehen derzeit zwei zentrale Verkaufsmodelle. Das erste Modell ist der direkte Markenstore. Unitree gilt hier als wichtiger Vorreiter. Das Unternehmen platziert eigene Geschäfte in hochwertigen Einkaufszentren. Dadurch kontrolliert Unitree die gesamte Darstellung der Marke. Auch Produktvorführungen, Beratung und Verkaufsargumente lassen sich einheitlich gestalten. Der Hersteller kann seine Modelle außerdem ohne direkte Konkurrenzprodukte präsentieren.

In den Unitree-Geschäften reicht die genannte Preisspanne von etwa 8.000 Yuan für vierbeinige Roboter bis zu rund 170.000 Yuan für humanoide Systeme. Diese große Spanne ermöglicht mehrere Einstiegspunkte. Günstigere Geräte können technikaffine Privatkunden ansprechen. Teurere Modelle richten sich eher an Unternehmen, Bildungseinrichtungen und professionelle Anwender. Eigene Stores erleichtern es Unitree zudem, Kundenkontakte und Rückmeldungen selbst zu verwalten. Allerdings trägt das Unternehmen auch sämtliche Kosten und Risiken der Standorte.

Das zweite Modell ist der herstellerübergreifende Sammelstore. Taozhu New Maker bündelt Produkte von zahlreichen Robotikherstellern an einem Ort. Dadurch können Besucher unterschiedliche Systeme direkt vergleichen. Der Store wird zum allgemeinen Einstiegspunkt in die Welt der Konsumrobotik. Dieses Modell ähnelt einem Elektronikmarkt oder einem Mehrmarken-Autohaus. Kunden erhalten eine größere Auswahl, während kleinere Hersteller Zugang zu stationären Verkaufsflächen bekommen. Gleichzeitig muss der Betreiber jedoch Beratung und Service für sehr unterschiedliche Produkte beherrschen.

Besonders weit geht das sogenannte 7S-Konzept. Es erweitert den bekannten Handelsansatz um mehrere Servicebereiche. Neben Verkauf und Ersatzteilen können Vorführung, Schulung, Finanzierung, Wartung und Rücknahme dazugehören. Die genaue Ausgestaltung kann je nach Betreiber abweichen. Der Grundgedanke bleibt jedoch gleich. Der Kunde soll während des gesamten Produktlebenszyklus betreut werden.

Merkmal Markenstore Sammel- oder 7S-Store
Produktauswahl Produkte eines Herstellers Produkte mehrerer Hersteller
Markenkontrolle Sehr hoch Auf mehrere Marken verteilt
Vergleichsmöglichkeiten Eingeschränkt Umfangreich
Beratungsaufwand Auf eigene Modelle konzentriert Hoher Aufwand durch viele Systeme
Kundendaten Direkt beim Hersteller Häufig beim Storebetreiber
Service Herstellerspezifisch Markenübergreifend
Hauptrisiko Hohe eigene Betriebskosten Komplexität bei Beratung und Wartung

Welche Fragen der stationäre Handel jetzt beantworten muss

Die neuen Geschäfte sollen nicht nur Produkte verkaufen. Sie müssen grundlegende Fragen zum künftigen Massenmarkt beantworten. Dazu gehört zunächst die Zahlungsbereitschaft. Hersteller müssen herausfinden, welchen Preis Privatkunden für einen Roboter akzeptieren. Ebenso wichtig ist die Frage nach den gewünschten Funktionen. Ein technisch spektakulärer Roboter ist nicht automatisch ein nützliches Haushaltsgerät. Kunden könnten einfache, zuverlässige Aufgaben höher bewerten als akrobatische Fähigkeiten.

Auch alternative Bezahlmodelle werden getestet. Bei Preisen im fünf- oder sechsstelligen Yuan-Bereich dürfte ein Sofortkauf für viele Haushalte kaum infrage kommen. Daher könnten Ratenzahlung, Leasing oder Miete an Bedeutung gewinnen. Mietmodelle eignen sich besonders für Veranstaltungen, Schulen oder kurzfristige Unternehmensprojekte. Zudem könnten Abonnements für Software, Fernwartung und neue Funktionen entstehen. Dadurch würde sich das Geschäftsmodell vom einmaligen Hardwareverkauf zu laufenden Einnahmen verschieben.

Eine weitere offene Frage betrifft die Wartung. Humanoide Roboter besitzen zahlreiche bewegliche Teile, Sensoren, Motoren und Softwarekomponenten. Verschleiß und Fehlfunktionen lassen sich deshalb nicht vollständig vermeiden. Kunden benötigen klare Informationen zu Reparaturzeiten und Ersatzteilkosten. Auch mobile Techniker oder Abholservices könnten notwendig werden. Ohne zuverlässigen Kundendienst drohen negative Erfahrungen, die das Vertrauen in die gesamte Produktkategorie beschädigen.

Hinzu kommen Sicherheits- und Haftungsfragen. Im Geschäft können Hersteller zwar die Bedienung erklären. Der spätere Einsatz erfolgt jedoch in Wohnungen, Büros oder öffentlichen Bereichen. Dort können Kinder, Haustiere und unvorhersehbare Hindernisse auftreten. Deshalb müssen Notabschaltung, Kollisionsvermeidung und Zugriffsrechte leicht verständlich sein. Auch der Umgang mit Kameras, Mikrofonen und gespeicherten Daten wird für Verbraucher entscheidend. Der stationäre Handel muss somit technische, rechtliche und emotionale Barrieren gleichzeitig abbauen.

Der unterschätzte Wettbewerb findet nach dem Kauf statt

Ein bislang wenig beachteter Blickwinkel betrifft die Zeit nach dem Verkauf. Viele Hersteller konzentrieren sich öffentlich auf Beweglichkeit, künstliche Intelligenz und Produktionskosten. Im Massenmarkt entscheidet jedoch häufig der Kundendienst über den langfristigen Erfolg. Ein defekter Roboter ist deutlich komplexer als ein defektes Smartphone. Er lässt sich meist nicht einfach in einem Paket an den Hersteller senden. Gewicht, Größe und empfindliche Gelenke erschweren den Transport.

Dadurch könnte eine völlig neue Serviceinfrastruktur entstehen. Denkbar sind mobile Robotiktechniker, regionale Ersatzteillager und spezialisierte Transportdienste. Auch Ferndiagnosen über das Internet dürften eine große Rolle spielen. Ein Servicetechniker könnte zunächst Softwarefehler prüfen, bevor ein Vor-Ort-Termin notwendig wird. Hersteller mit einem dichten Filialnetz hätten hierbei einen klaren Vorteil. Ihre Stores könnten als Annahmestellen, Reparaturzentren und Schulungsorte dienen.

Ein weiterer wenig diskutierter Faktor ist der Wiederverkaufsmarkt. Hochpreisige humanoide Roboter verlieren mit neuen Modellgenerationen möglicherweise schnell an Wert. Händler könnten daher geprüfte Gebrauchtgeräte, Rücknahmeprogramme und technische Zertifikate anbieten. Das würde den Einstiegspreis für neue Käufer senken. Zugleich könnten gebrauchte Modelle in Schulen, kleineren Unternehmen oder privaten Haushalten weitergenutzt werden. Ein funktionierender Zweitmarkt würde die gesamte Branche stabilisieren.

Auch Softwareunterstützung wird zum Wettbewerbsfaktor. Käufer erwarten, dass ein teurer Roboter mehrere Jahre lang Aktualisierungen erhält. Werden Funktionen eingestellt oder Cloud-Dienste abgeschaltet, verliert das Gerät erheblich an Nutzen. Daher müssen Händler künftig nicht nur Hardware erklären. Sie müssen auch Aussagen zu Updatezeiträumen, Datenschutz und langfristiger Kompatibilität treffen. Der Wettbewerb wird somit nach dem Kauf fortgesetzt. Gewinnen könnten nicht die spektakulärsten Roboter, sondern die Hersteller mit dem zuverlässigsten Gesamtpaket.

Expansion nach Vorbildern aus Smartphone- und Automobilhandel

Die Robotikbranche übernimmt Elemente aus zwei etablierten Handelswelten. Vom Smartphonehandel lernt sie, Produkte sichtbar und leicht zugänglich zu machen. Kunden sollen Geräte spontan ausprobieren können. Klare Produktlinien und verständliche Vorführungen erleichtern den Einstieg. Auch Zubehör, Software und regelmäßige Modellwechsel erinnern an die Unterhaltungselektronik. Gleichzeitig ähnelt der Verkauf teurer humanoider Roboter stark dem Autohandel. Beratung, Finanzierung und Service spielen eine zentrale Rolle.

Unitree plant laut Bericht, innerhalb eines Jahres 50 Geschäfte aufzubauen. Vbot will in mehr als zehn Städten vertreten sein. Taozhu New Maker verfolgt das Ziel von 20 Standorten im gesamten Land. Diese Ausbaupläne zeigen, dass die Unternehmen den stationären Handel nicht nur als kurzfristige Werbeaktion betrachten. Die Filialen sollen zu festen Bestandteilen des Vertriebs werden. Dennoch ist schnelles Wachstum mit hohen Risiken verbunden.

Neue Stores verursachen Miete, Personal- und Schulungskosten. Außerdem müssen ausreichend Vorführgeräte verfügbar sein. Verkäufer benötigen technisches Wissen und müssen komplizierte Fragen verständlich beantworten. Gleichzeitig darf die Qualität des Kundendienstes bei wachsender Filialzahl nicht sinken. Ein zu schneller Ausbau könnte daher Probleme schaffen. Besonders kritisch wird es, wenn viele Besucher kommen, aber nur wenige tatsächlich kaufen.

Die wichtigste Aufgabe besteht deshalb darin, Neugier in dauerhafte Nachfrage umzuwandeln. Roboter ziehen in Einkaufszentren schnell Aufmerksamkeit auf sich. Besucher fotografieren sie und teilen Videos in sozialen Netzwerken. Diese Reichweite ist für die Hersteller wertvoll. Sie ersetzt jedoch keinen profitablen Verkauf. Langfristig zählen Bestellungen, Mietverträge, Wartungsaufträge und wiederkehrende Softwareerlöse. Erst dann wird aus einer spektakulären Ausstellung ein tragfähiges Handelsmodell.

Fazit: Der Roboterhandel beginnt jetzt

Unitree und AgiBot zeigen, wie humanoide Roboter den Schritt vom Laborprodukt zum Handelsgut schaffen könnten. Die neuen Stores schaffen Nähe, Vertrauen und direkte Vergleichsmöglichkeiten. Erste Umsätze stimmen optimistisch, doch der Markt bleibt stark von Forschung und Geschäftskunden abhängig. Entscheidend sind künftig nicht nur Beweglichkeit und künstliche Intelligenz. Auch Finanzierung, Wartung, Datenschutz und Wiederverkaufswert werden wichtig. Gelingt der Wandel von neugierigen Besuchern zu dauerhaften Kunden, könnten Robotikgeschäfte bald so selbstverständlich werden wie heutige Smartphone- oder Autohäuser.

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Nico Nuss [Bildinhalt mit KI erstellt]

Der Autor Nico Nuss beschäftigt sich seit 2001 mit den Themen Mobile Computing und Automation Software. Auf Grund seiner Erfahrung und dem starken Interesse für Zukunftstechnologien gilt seine Aufmerksamkeit den Themen Robotik und AI.

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