Xiaomi CyberDog 2: Roboterhund mit 19 Sensoren und 21 TOPS

Xiaomi CyberDog 2 – smarter vierbeiniger Bio-Roboter [Bildinhalt mit KI erstellt]

Xiaomi CyberDog 2 ist ein deutlich kompakterer, leichterer und hundeähnlicherer Roboter auf vier Beinen. Der quadrupede Bio-Roboter kombiniert 12 CyberGear-Antriebe, 19 Sensoren, eine KI-Rechenleistung von 21 TOPS und eine offene Entwicklungsplattform. Damit richtet sich der Xiaomi CyberDog 2 weniger an gewöhnliche Haustierbesitzer als an Entwickler, Hochschulen und technikbegeisterte Early Adopter.

Als Xiaomi-CEO Lei Jun den Xiaomi CyberDog 2 am 14. August 2023 in Peking präsentierte, war die Botschaft klar: Die zweite Generation sollte nicht mehr wie eine kopflose Industriemaschine wirken, sondern wie ein zugänglicher, reaktionsfähiger Begleiter. Kleine Ohren, ein ausgeformter Kopf und Proportionen nach dem Vorbild eines Dobermanns geben dem Roboterhund eine unverwechselbare Silhouette. Hinter dem freundlicheren Äußeren steckt jedoch ernst zu nehmende Robotik-Hardware – einschließlich autonomer Navigation, Gesichts- und Gestenerkennung, Sprachsteuerung und programmierbarer Bewegungsabläufe.

Wichtig für die Einordnung: Der CyberDog 2 ist kein neuer Deutschland-Launch des Jahres 2026. Xiaomi führte das Modell 2023 zunächst für 12.999 Yuan in China ein. Eine offizielle reguläre Verfügbarkeit im deutschen Xiaomi-Shop ist weiterhin nicht dokumentiert. Der Roboter bleibt vor allem eine Entwicklungs- und Demonstrationsplattform, an der sich ablesen lässt, wie schnell vierbeinige Roboter kleiner, günstiger und alltagstauglicher werden.

Xiaomi CyberDog 2: Die wichtigsten Daten im Überblick

Merkmal Angabe
Gewicht 8,9 kg einschließlich Akku
Abmessungen im Stand 562 × 339 × 481 mm
Freiheitsgrade 12, drei pro Bein
Antriebe 12 von Xiaomi entwickelte CyberGear-Mikroaktuatoren
Maximale Laufgeschwindigkeit 1,6 m/s beziehungsweise rund 5,8 km/h
KI-Rechenleistung bis zu 21 TOPS
Sensorik 19 Sensoren für Sehen, Hören, Berührung, Abstand und Bewegung
Akku 97,2 Wh, 4.500 mAh bei 21,6 V
Laufzeit laut Xiaomi rund 90 Minuten bei gemischten Grundfunktionen
Ladezeit rund 90 Minuten
Software Ubuntu 18.04, ROS 2, App und visuelle Programmierung
Einführungspreis 12.999 Yuan in China

Kleiner, leichter und erkennbar hundeähnlich

Der größte sichtbare Fortschritt gegenüber dem ersten CyberDog ist das Design. Xiaomis erste Generation erinnerte mit ihrem kantigen Körper und den offenliegenden Gelenken stark an einen verkleinerten Inspektionsroboter. Beim CyberDog 2 ist der Maschinenkörper stärker verkleidet. Kopf, Ohren und eine kurze Schwanzpartie erzeugen bewusst die Anmutung eines Tieres, ohne die technische Natur des Systems zu verstecken.

Mit 8,9 Kilogramm ist der Xiaomi CyberDog 2 etwa 40 Prozent leichter als sein Vorgänger; das Volumen schrumpfte nach Unternehmensangaben um ungefähr 16 Prozent. Die geringere Masse erleichtert nicht nur den Transport. Sie reduziert auch die Bewegungsenergie, wenn der Roboter stürzt oder mit einem Gegenstand kollidiert. Harmlos ist er deshalb nicht: Das offizielle Handbuch beschränkt die Nutzung auf Erwachsene und verlangt beim Einschalten einen freien Bereich von mindestens zwei Metern. Der CyberDog 2 ist eine kräftige Maschine und kein Kinderspielzeug.

CyberGear: zwölf Gelenkantriebe für Sprünge und Saltos

Jedes Bein besitzt drei Freiheitsgrade. Insgesamt bewegen zwölf von Xiaomi entwickelte CyberGear-Mikroaktuatoren die Beine. Diese quasi direkt angetriebenen Motor-Gelenk-Einheiten sollen Drehmoment und Position besonders präzise regeln. Xiaomi nennt für den Mikroantrieb ein maximales Drehmoment von 37,85 Newtonmetern sowie eine Spitzendrehzahl von 220 Umdrehungen pro Minute. In der Praxis ermöglicht die Konstruktion mehrere Gangarten, schnelle Richtungswechsel, vierbeinige Sprünge und anspruchsvolle Showbewegungen.

Der Roboter läuft mit bis zu 1,6 Metern pro Sekunde. Spektakulärer sind die demonstrierten Rückwärtssaltos und die Fähigkeit, sich nach einem Sturz wieder aufzurichten. Solche Vorführungen sind nicht nur Marketing. Für mobile Roboter ist das Wiedererlangen einer stabilen Lage entscheidend: Ein System, das nach jedem Ausrutscher von Menschen aufgehoben werden muss, ist außerhalb kontrollierter Labore nur begrenzt nützlich.

Xiaomi trainierte Bewegungsmodelle nach eigenen Angaben mit 30.000 parallel simulierten Roboterhunden. Simulation beschleunigt das Lernen, weil Bewegungsvarianten und Störungen in großem Maßstab getestet werden können, ohne reale Hardware zu beschädigen. Der Transfer aus der Simulation auf den echten CyberDog 2 bleibt dennoch anspruchsvoll: Reibung, Bodenunebenheiten, Motortoleranzen und Akkustand verhalten sich in der physischen Welt nie vollkommen so wie im Modell.

19 Sensoren bilden Augen, Ohren und Tastsinn

Für die Wahrnehmung kombiniert der Xiaomi CyberDog 2 insgesamt 19 Sensoren. Dazu gehören eine KI-Kamera, RGB- und Fischaugenkameras, eine Intel-RealSense-D430-Tiefenkamera, vier Time-of-Flight-Sensoren, ein TG30-LiDAR, Ultraschall, eine IMU, Ultra-Wideband-Komponenten, Mikrofone und ein Berührungssensor am Kopf. Eine technische Analyse von TechInsights zählt elf Bausteine allein für Bildaufnahme, Kartierung und Distanzmessung.

Die Sensorfusion ist wichtiger als ein einzelner Sensor. Kameras liefern Farben und Strukturen, können aber bei Dunkelheit oder kontrastarmen Flächen schwächeln. LiDAR, ToF und Ultraschall messen Entfernungen nach unterschiedlichen Prinzipien. Die IMU erfasst Beschleunigungen und Drehbewegungen des Körpers. Erst das Zusammenführen dieser Daten erlaubt es dem Roboter, Hindernisse zu erkennen, Karten aufzubauen, Personen zu verfolgen und seine Körperlage während der Bewegung zu stabilisieren.

Zu den beworbenen Funktionen gehören Gesichtserkennung, Gestensteuerung, Sprachbefehle, Hindernisvermeidung, Zielverfolgung und Wegplanung zwischen mehreren Punkten. Über den mitgelieferten Bluetooth-Controller lässt sich der Roboter mit Joysticks steuern. Der Controller dient zugleich als UWB-Tag: Aktiviert der Nutzer die Folgefunktion, kann der CyberDog 2 die Position des Tags bestimmen und seinem Besitzer folgen. Zusätzlich ist eine Verbindung mit Xiaomis AIoT-Ökosystem vorgesehen.

21 TOPS Rechenleistung – aber kein universeller KI-Hund

Als Hauptrechner nutzt die Plattform ein NVIDIA-Jetson-Xavier-NX-Modul. Dessen Volta-GPU arbeitet mit 384 CUDA-Kernen und 48 Tensor-Kernen; zusammen mit ergänzenden Prozessoren nennt Xiaomi bis zu 21 TOPS KI-Leistung. Zur Ausstattung gehören 8 GB LPDDR4x-Arbeitsspeicher, 16 GB eMMC-Speicher und eine industrielle 32-GB-SD-Karte.

Die TOPS-Zahl sollte nicht mit allgemeiner Intelligenz verwechselt werden. Sie beschreibt, wie viele bestimmte Rechenoperationen das System theoretisch pro Sekunde ausführen kann. Ob eine Funktion zuverlässig arbeitet, hängt ebenso von Modellen, Trainingsdaten, Sensorqualität und Softwareintegration ab. Der CyberDog 2 versteht seine Umgebung nicht wie ein echtes Tier. Er erkennt erlernte Muster, schätzt Zustände und führt vorgegebene oder trainierte Steuerungsstrategien aus.

Open Source und ROS 2 machen den CyberDog 2 zur Entwicklerplattform

Der wahrscheinlich nachhaltigste Teil des Projekts ist die offene Softwarestrategie. Xiaomi stellt über die Organisation MiRoboticsLab Quellcode und Dokumentation bereit. Die Architektur basiert in wesentlichen Teilen auf ROS 2, dem verbreiteten Robotik-Framework für Kommunikation, Sensorik und Steuerung. Öffentliche Repositories behandeln unter anderem Lokomotion, Simulation, Bildverarbeitung, Schnittstellen und Motorsteuerung.

Für Einsteiger gibt es eine visuelle Programmieroberfläche in der Android-App. Damit lassen sich Bewegungen und Interaktionen kombinieren, ohne jede Funktion in C++ oder Python selbst zu implementieren. Fortgeschrittene Entwickler können auf Schnittstellen und Quellcode zugreifen, eigene Anwendungen bauen und Abläufe zunächst in der Simulation testen. Genau hier unterscheidet sich der Xiaomi CyberDog 2 von einem abgeschlossenen Unterhaltungsgadget.

Ganz reibungslos ist das offene Ökosystem nicht. In den öffentlichen GitHub-Projekten berichten Nutzer über Fragen zu Verbindungen, Entwicklerzugang und verfügbaren 3D-Modellen. Wer das Gerät importiert, muss außerdem mit chinesischer Produktdokumentation, regionalen App-Beschränkungen und fehlendem europäischen Service rechnen. „Open Source“ bedeutet nicht automatisch, dass jede Firmware-Komponente oder jede mechanische Datei vollständig und komfortabel verfügbar ist.

Akku und Laufzeit setzen klare Grenzen

Der Lithium-Polymer-Akku besitzt 4.500 mAh beziehungsweise 97,2 Wh. Xiaomi gibt etwa 90 Minuten Laufzeit und eine ähnlich lange Ladezeit an. Diese Laufzeit wurde jedoch nicht bei dauerhaftem Sprint oder fortwährenden Saltos ermittelt, sondern aus einer Mischung aus Liegen, Aufstehen, statischen Posen und normalem Gehen. Bei hoher Motorlast, intensiver Rechenarbeit oder niedrigen Temperaturen dürfte die Praxiszeit kürzer ausfallen.

Damit eignet sich der CyberDog 2 für Demonstrationen, Forschungssitzungen und kurze Erkundungsaufgaben, aber nicht für einen ganzen Arbeitstag ohne Akkuwechsel oder Ladepausen. Auch das unterscheidet ihn von einem Haustier: Ein Roboterhund braucht keine Nahrung und keinen Spaziergang, dafür aber Energieversorgung, Softwarepflege und kontrollierte Betriebsbedingungen.

Preis und Verfügbarkeit: kein regulärer Deutschlandverkauf

Zum Marktstart verlangte Xiaomi in China 12.999 Yuan, damals etwa 1.785 US-Dollar. Gemessen an Sensorik, Rechenmodul und zwölf Aktuatoren war das aggressiv kalkuliert. Professionelle Quadrupeden für Inspektion oder Forschung kosten oft ein Vielfaches. Trotzdem ist der CyberDog 2 kein günstiges Konsumprodukt: Bei Importangeboten kommen Versand, Einfuhrabgaben, Ersatzteilrisiken und eingeschränkter Support hinzu.

Auf Xiaomis deutscher Produktübersicht wird der CyberDog 2 nicht als regulär verfügbares Gerät geführt. Interessenten sollten Drittanbieterangebote daher genau prüfen. Entscheidend sind ein tatsächlich lieferbares Originalgerät, die Akku- und Funkzulassung, App-Kompatibilität, Garantiebedingungen sowie die Frage, ob Ersatzteile erhältlich sind. Der chinesische Einführungspreis ist kein belastbarer Endpreis für Deutschland.

Was der Xiaomi CyberDog 2 für die Robotik bedeutet

Der CyberDog 2 besetzt die Lücke zwischen Spielzeug, Forschungsroboter und professionellem Quadrupeden. Für industrielle Dauerinspektionen fehlen ihm die dokumentierte Robustheit, lange Laufzeit und der globale Service teurerer Systeme. Als Lern- und Experimentierplattform bietet er jedoch eine ungewöhnlich dichte Kombination aus Antriebstechnik, Wahrnehmung und KI-Rechenleistung.

Besonders relevant ist die Preisentwicklung. Was bei vierbeinigen Robotern lange nur großen Unternehmen und Forschungsinstituten vorbehalten war, erreicht zunehmend kleinere Labore, Hochschulen und Entwicklerteams. Einen Überblick über weitere Modelle, Hersteller und Einsatzfelder bietet unser Beitrag zu Roboterhunden, Technik und Kosten. Der CyberDog 2 zeigt dabei eine zweite Entwicklung: Hersteller versuchen, technische Leistungsfähigkeit mit einer sozial akzeptableren Form zu verbinden.

Ob Menschen einen Roboter eher akzeptieren, wenn er Ohren hat und auf Berührungen reagiert, ist mehr als eine Designfrage. Ein tierähnliches Äußeres kann Interaktion intuitiver machen, aber auch falsche Erwartungen erzeugen. Nutzer könnten dem System Gefühle, Verständnis oder Absichten zuschreiben, die es nicht besitzt. Xiaomis Bio-Roboter ist beeindruckende Mechatronik – kein lebendes Wesen und kein Ersatz für die soziale Beziehung zu einem Tier.

Fazit: leistungsfähiger Roboterhund mit realistischen Grenzen

Der Xiaomi CyberDog 2 ist leichter, kompakter und zugänglicher als sein Vorgänger. Zwölf CyberGear-Aktuatoren ermöglichen schnelle und dynamische Bewegungen; 19 Sensoren liefern Daten für Navigation, Erkennung und Interaktion; 21 TOPS Rechenleistung unterstützen KI-Modelle direkt auf dem Gerät. Mit ROS 2, offenem Code und visueller Programmierung ist die Plattform vor allem für Lehre, Forschung und Entwicklung interessant.

Gleichzeitig bleiben die Grenzen deutlich: rund 90 Minuten gemischte Laufzeit, kein regulärer Deutschlandvertrieb, regionale Softwarehürden und ein Nutzen, der stark von eigenen Entwicklungskenntnissen abhängt. Der CyberDog 2 ist deshalb weniger der Haushund der Zukunft als ein vergleichsweise erschwingliches Robotiklabor auf vier Beinen.

Häufige Fragen zum Xiaomi CyberDog 2

Was kostet der Xiaomi CyberDog 2?

Xiaomi führte den CyberDog 2 in China für 12.999 Yuan ein. Das entsprach zum Präsentationszeitpunkt rund 1.785 US-Dollar. Importpreise können wegen Versand, Steuern, Verfügbarkeit und Händlermargen deutlich höher liegen.

Kann man den Xiaomi CyberDog 2 in Deutschland kaufen?

Xiaomi bietet den CyberDog 2 nicht regulär im deutschen Online-Shop an. Einzelne Importhändler können Geräte anbieten, doch Käufer sollten Kompatibilität, Garantie, Funk- und Akkuregeln sowie Ersatzteilversorgung prüfen.

Wie schnell ist der CyberDog 2?

Die maximale Laufgeschwindigkeit beträgt laut Xiaomi 1,6 Meter pro Sekunde. Das sind rund 5,8 Kilometer pro Stunde.

Wie lange hält der Akku?

Xiaomi nennt rund 90 Minuten bei einer Mischung grundlegender Aktivitäten wie Liegen, Aufstehen, statischen Posen und normalem Gehen. Bei dynamischer Bewegung kann die Laufzeit geringer ausfallen.

Ist der Xiaomi CyberDog 2 Open Source?

Xiaomi veröffentlicht wesentliche Softwarekomponenten, Schnittstellen und Dokumentation über MiRoboticsLab auf GitHub. Die Plattform basiert auf ROS 2 und unterstützt eigene Entwicklungen. Das bedeutet jedoch nicht, dass ausnahmslos jede Firmware- und Hardwarekomponente offenliegt.

Quellen und weiterführende Informationen

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